Sechster Vortrag
In der ersten Zeit der Atlantis war es also durchaus anders als jetzt. Die atlantische Zeit verläuft so, daß der Mensch sich allmählich herüberlebt aus den ganz entgegengesetzten Zuständen in die späteren. Er lebt sich in dem Maße herüber, als sein Ätherleib mehr und mehr hineingetrieben wird in den physischen Leib. Im letzten Drittel der atlantischen Zeit wurde der Ätherleib hineingetrieben in den physischen Leib. Vor diesem Ereignis fühlte sich der Mensch oben in der geistigen Welt als Wachender. Aber als solcher sagte er nicht zu sich Ich, hatte er nicht das Selbstbewußtsein. Wenn er herausging aus dem physischen und Ätherleib, um in die Helligkeit der Nacht sich hineinzubegeben, da fühlte er sich so recht als Glied der Geistigkeit, die da oben war, fühlte sich sozusagen hineingeborgen in seine alte Gruppenseele. Jedesmal wurde es um ihn hell in der Nacht, aber er fühlte sich unselbständig. Wie unsere Finger zu unserem Ich, so fühlten sich die Menschen hinzugehörig zu den Gruppenseelen, die hellseherisch so gesehen werden, wie sie in den vier Köpfen des Löwen, Ochsen, Adlers und Menschen in der Apokalypse des Johannes geschildert sind. In irgendeine solche Gruppenseele hineinversetzt fühlte sich der Mensch. Und erst wenn er in seinem Leibesschneckenhaus war, fühlte er, daß er etwas Eigenes hatte. Denn daß der Mensch ein selbständiges Wesen wurde, das kam davon, daß er sich einschließen konnte in seinen Leib. Er mußte allerdings dieses Einschließen in seinen Leib damit bezahlen, daß sich nach und nach die geistige Welt für ihn verfinsterte, daß sie sich ganz und gar von ihm zurückzog. Dafür aber wurde immer heller und klarer die Welt, die er unten sah, wenn er im physischen Leibe war. Damit dämmerte immer mehr und mehr in ihm auf, daß er ein Ich sei, daß er in sich selbst ein Selbstbewußtsein trage. Er lernte zu sich Ich sagen.
Cite:
GA 104/1908-06-23/p028 · edition original