Zwölfter Vortrag

GA 104/1908-06-30/p005 ·1908-06-30 · original (original)
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Als Antwort kann man auf diese Fragen zunächst etwas abstrakt, etwas theoretisch sagen, und wer dieses Theoretische fühlen kann, für den bedeutet dies eigentlich schon sehr viel: Es ist außerordentlich weise, daß die Vorsehung dafür gesorgt hat, daß dieses furchtbare Schicksal als eine Möglichkeit vor einer Anzahl von Menschen stehen kann. Denn wäre es unmöglich, daß der Mensch in die Abgründe des Bösen hineinsegelt, dann wäre auch das für den Menschen nicht erreichbar, was wir auf der einen Seite Liebe und auf der anderen Seite Freiheit nennen, denn für den Okkultisten ist die Freiheit untrennbar verknüpft mit dem Begriff der Liebe. Freiheit wäre für den Menschen unmöglich, und Liebe wäre für den Menschen unmöglich, wenn nicht dieses Hinabsegeln möglich wäre. Ein Mensch, der nicht die Möglichkeit hätte, aus eigenem freien Entschluß das Gute oder auch das Böse zu wählen, der wäre ein Wesen, das nur am Gängelband zu einem notwendig zu erreichenden Guten geführt würde, in dessen Wahl es nicht stände, das Gute aus vollem, in sich selber geläutertem Wollen aus einer der Freiheit entspringenden Liebe zu wählen. Für einen Menschen, dem es nicht möglich wäre, die Gefolgschaft des Ungeheuers mit den zwei Hörnern einzuschlagen, für den wäre es auch nicht möglich, aus einer selbsteigenen Liebe dem Gotte zu folgen. Es lag im Sinne der weisen Vorsehung, der sich durch unser Planetensystem hindurch entwickelnden Menschheit die Möglichkeit der Freiheit zu geben, und diese Möglichkeit der Freiheit war unter keiner anderen Bedingung zu geben als dadurch, daß der Mensch selbst die freie Wahl zu treffen hat zwischen dem Guten und dem Bösen.

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Cite: GA 104/1908-06-30/p005 · edition original