{"corpus":"steiner","locus":"GA 104/1908-06-30/p028","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Wenn wir uns das alles in entsprechender Weise vor die Seele rücken, dann eröffnet sich ein großes, gewaltiges Bild der Menschheitszukunft, und wir ahnen, was alles in der erleuchteten Seele des Apokalyptikers war, der niedergeschrieben hat, was wir eben in diesen Betrachtungen stammelnd herausfinden konnten aus der Apokalypse. Jedes Wort des Apokalyptikers ist von Bedeutung, ja jede Wendung. Wir müssen sie nur klar zu verstehen suchen. So wird uns hingewiesen, im Sinne der gestrigen Betrachtung, in 666 auf das Tier mit den zwei Hörnern, und dann wird gesagt ein merkwürdig Wort: «Hie ist Weisheit! Wer Verstand hat, der überlege die Zahl des Tieres, denn es ist eines Menschen Zahl.» Ein scheinbarer Widerspruch, aber einer von den vielen Widersprüchen, die durchaus in jeder okkulten Schrift und Betrachtung zu finden sind. Sie können nämlich dessen gewiß sein, daß eine Betrachtung, die so glatt verläuft, daß man mit dem gewöhnlichen MenschenAlltagsverstand keinen Widerspruch finden kann, gewiß nicht auf okkultem Boden steht. Was in der Welt sich entwickelt, ist nicht so flach und trivial wie das, was der menschliche Verstand, die gewöhnliche Intelligenz als Widerspruchslosigkeit empfindet. Man muß eben tiefer in die Untergründe menschlicher Betrachtung hinuntertauchen, dann verschwinden schon die Widersprüche. Derjenige, der eine Pflanze betrachtet, wie sie wächst von der Wurzel bis zur Frucht, wie das grüne Blatt sich verwandelt in das Blumenblatt, das Blumenblatt in die Staubgefäße und so weiter, der kann sagen: Hier haben wir widersprechende Gestalten, das Blumenblatt widerspricht dem Stengelblatt. — Wer aber tiefer sieht, wird die Einheit erblicken, die tiefere Einheit im Widerspruch. So ist es mit dem, was der Verstand in der Welt sehen kann. Er sieht gerade in den tiefsten Weisheiten Widersprüche. Daher darf es uns nicht berühren, wenn uns hier in der Apokalypse ein scheinbarer Widerspruch entgegentritt: «Wer Verstand hat, der überlege die Zahl des Tieres, denn es ist eines Menschen Zahl.»","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Zwölfter Vortrag","site_heading":null,"date":"1908-06-30","location":null,"word_count":307,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/104/1908-06-30/p028","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/104/1908-06-30/p028"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/104/1908-06-30/p028","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}