Sechster Vortrag

GA 104a/1909-05-15/p009 ·1909-05-15 · original (original)
Record: listeners' notes. Written from listeners' notes, summaries, or memory rather than a shorthand transcript. The wording is the note-taker's as much as Steiner's: weigh a single striking phrase here far more cautiously than the same phrase in a stenographic volume, and do not rest an argument on one word. Evidence: «Teilnehmeraufzeichnungen von vier Vorträgen» (Participants' records of four lectures). Rudolf Steiner Verlag Gesamtverzeichnis 2022, volume subtitle. The translation is the maintainer's, not a published one.

Und das dritte, das lemurische Zeitalter spiegelt sich in der ägyptischen Zeit in der ganzen religiösen Anschauung. Man kann von den verschiedensten Seiten und Standpunkten die Lehre von Osiris und Isis charakterisieren. Das Charakteristischste an dieser Lehre aber war folgendes: In dem alten lemurischen Zeitalter waren Geburt und Tod noch gar nicht vorhanden. Der Mensch wiederholte zunächst den Zustand, in dem er gewesen war, als die Sonne sich noch nicht von der Erde getrennt hatte. Damals war er in einem geistigen Leibe. Dann, als die Sonne nicht mehr mit der Erde vereinigt war, brachte er es zu einem luftartigen Leibe; dann aber wurde der Menschenleib mit wäßrigen Dünsten erfüllt. Vor der lemurischen Zeit war die menschliche Wesenheit nur als Dunst und Dampf vorhanden, kaum unterscheidbar von dem, was da als Dunst oder Nebel durcheinanderflutete, wie Wolken wandelbar, gleich den heutigen Wolken sich fortwährend wandelnd. Es war also in diesen alten Zeiten der Mensch überhaupt noch nicht auf der Erde, sondern über der Erde schwebend. Stücke von dieser feinen Materie gingen fortwährend von dem Menschen weg, quollen aus ihm hervor. Eine Verdichtung der Menschenleiber trat erst in der lemurischen Zeit ein. Damit, daß sich der Mensch verdichtete, trat erst das ein, was man die aufeinanderfolgenden Inkarnationen nennt. Erst da trennt sich das Seelische und Leibliche so, daß man sagen kann, der Mensch fängt an, das Äußere als einen Gegensatz zu seinem Inneren zu betrachten. Heute unterscheidet der Mensch sein Inneres und sein Äußeres als den Gegensatz zwischen Seelenleben und Außenleben. In der Sonnenzeit der Erde hatte der Mensch als Außenwelt das wahrgenommen, was es als geistige Wesenheit in seiner Umgebung gab. Jetzt kam die Zeit der Mondentrennung; da begann das Äußere sich vom Inneren zu trennen. So trat der Unterschied auf zwischen Wachen und Schlafen: der Mensch wechselte ab zwischen Zuständen, da er der Sonne ausgesetzt und ihr abgewandt war. Und so kam die Zeit heran, da der Mensch die von der Sonne beschienenen Gegenstände wahrzunehmen begann. Es regte während der Nacht die Mondenkraft das Seelenleben so an, daß der Mensch unterschied zwischen einer Zeit, da er die Außenwelt wahrnahm und einem Zustand, da er die durch den Mond wirkenden Kräfte so empfand, daß er hellseherisch wurde. Da sagte sich der Mensch, daß er durch die im Monde wohnende Geistigkeit wahrnehmen könne die geistige Welt, die durch die Kräfte des Mondes innerlich in ihn einströmte. So waren ihm die Mondenkräfte als reflektierte Sonnenkraft das, was ihm die geistige Welt vermittelte, während ihm bei Tage die Außenwelt mehr und mehr wahrnehmbar wurde.

Read this passage in another edition
DEoriginalENEnglish
Raw JSON: /v1/steiner/de/ga/104a/1909-05-15/p009.json
Cite: GA 104a/1909-05-15/p009 · edition original