Erster Vortrag
Was ist es, was den Materialismus unserer heutigen Kultur ausmacht? Charakterisieren wir einmal diesen Materialismus. Der Mensch weiter Kreise, der heute die Harmonie, die Versöhnung zwischen Glauben und Wissen verloren hat, was ist ihm besonders eigen, wenn er hinschauen will auf ein Geistiges? Nichts sieht er! Er schaut auf das Grobe, materiell Physische; von dem weiß er, daß es real, daß es wirklich vorhanden ist, und er kommt sogar bis zum Leugnen des Geistig-Spirituellen. Er glaubt, des Menschen Dasein ist erfüllt, wenn des Menschen Leichnam im Staube daliegt; er sieht nichts sich erheben in die geistigen Welten hinein. Kann eine solche Anschauung als Folge entstehen von etwas, was in einer Zeit als Same gelegt wurde, wo ein fester Glaube an das Fortleben der Seele herrschte, wie es im alten Ägyptertum der Fall war? Ja; denn in der Kultur ist es nicht wie im Pflanzenreiche, daß nur immer wieder Ähnliches aus dem Samen entsteht. In der Kultur muß abwechseln ein Wert mit einem anderen, der ihm scheinbar nicht ähnlich ist - und dennoch bestehen tiefere, intime Ähnlichkeiten.
Cite:
GA 105/1908-08-04/p021 · edition original