Dritter Vortrag

GA 105/1908-08-06/p009 ·1908-08-06 · original (original)
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Jede Pflanze, die in die Höhe wächst, sieht der Hellseher so von dieser astralischen Substanz umgeben. Aber es ist noch etwas anderes bei dieser Pflanze vorhanden - das Ich. Wollen wir das Ich der Pflanze fassen, so müssen wir es im Mittelpunkt der Erde suchen. Dort haben alle Pflanzen ihr Ich, das ist eine wichtige und wesentliche Wahrheit. Während wir also die Iche der Tiere die Erde umkreisen sehen, müssen wir, um das Pflanzen-Ich wahrzunehmen, den Blick hinlenken zum Mittelpunkt der Erde. Und in der Tat, wenn der hellseherische Blick vordringt zu solchem Anschauen der Pflanze, dann erweitert sich die Erde, die ja dem Menschen sonst nur wie ein materielles Gebilde gegenübersteht, zu einem Organismus, der in der Mitte sein Ich hat; und dieses Ich besteht aus allen Pflanzen-Ichen zusammen. Die Erde ist beseelt mit einem Ich, und geradeso wie Ihr Kopf Haare trägt, die also aus Ihrem Wesen herauswachsen, so wachsen die Pflanzen aus dem Wesen der Erde heraus und gehören zum gesamten Erdenorganismus. Und wenn Sie eine Pflanze mit der Wurzel aus der Erde herausreißen, so tut das der gesamten Erde weh, so empfindet die Pflanzenseele Schmerz. Das ist eine Tatsache. Dagegen dürfen Sie nicht glauben, daß es der Erde weh tut, wenn man etwa die Blüte abpflückt; da findet das Entgegengesetzte statt. Wenn Sie zum Beispiel im Herbste sehen, wie der Schnitter durch die Kornhalme fährt, so sieht der hellseherische Blick, wie über die Erde hinstreichen ganze Ströme von Wohigefühlen. Sie dürfen dabei keine moralischen Einwände geltend machen. Sie könnten zum Beispiel sagen: Ist es denn eine geringere Sünde, wenn das Kind alle möglichen Pflanzen ganz unnütz abreißt, als wenn man eine Pflanze sorgfältig und mit guter Absicht versetzt? — Die Tatsachen bleiben bestehen. Entwurzeln Sie eine Pflanze, so tut es der Erde weh, schneiden Sie eine Pflanze ab, so tut es der Erde wohl. Denn die Erde gibt gern her, was sie an der Oberfläche trägt, und wenn die Tiere über den Erdboden gehen und die Pflanzen abgrasen, dann empfindet sie es als ein Wohlgefühl, ähnlich wie es die Kuh empfindet, wenn das Kalb an ihrer Brust saugt. Das ist durchaus eine okkulte Tatsache. Das, was als Pflanze aus der Erde herauswächst und oben von dem Astralleib umstrahlt wird, das ist für die Erde dasselbe wie die von den tierischen Lebewesen hingegebene Milch. Das alles sind keine bloßen Vergleiche, sondern wirkliche Tatsachen. Wer mit hellseherischem Blick in die astralische Welt hineinsehen kann, sieht aber noch nichts von dem Ich der Pflanze, dazu gehört ein höheres Hellsehen, das in die devachanische Welt hineinzuschauen vermag. Wir müssen also sagen, die Gruppen-Iche der Tiere sind in der astralischen Welt, während das Ich der Pflanze sich in der devachanischen Welt befindet.

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Cite: GA 105/1908-08-06/p009 · edition original