Dritter Vortrag
Die Schriften, die von wirklichen Eingeweihten stammen, sind so, daß der Mensch keineswegs die Achtung vor ihnen zu verlieren braucht, wenn er sie wirklich kennenlernt; mit tiefen Schauern wird ihn jede Zeile der inspirierten Bibelschrift erfüllen, wenn er durch Geistesweisheit ihren Sinn erkennt. In einem solchen Worte: «Alle Kreatur seufzet unter Schmerzen», liegen Weltengeheimnisse verborgen. Allerdings werden solche Wahrheiten erst wieder fruchtbar werden für die Menschheit, wenn sie in das Gefühl eingedrungen sind. Nicht nur abstrakt, mit dem Verstande, dürfen sie begriffen werden, sondern sie müssen einverleibt werden, eindringen in die wirkliche Erkenntnis. Betrachten wir noch einmal die Pflanze, wie der physische Leib herauswächst, oben umglüht vom Astralleib, mit ihrem Ich im Mittelpunkt der Erde. Lassen Sie mich noch einmal auf das Wesentliche der Sache hinweisen. Was tut denn dieser Astralleib, der von außen die Blüte umhüllt? Er tut wirklich etwas, was von Bedeutung ist im Leben der Pflanze, und wir werden es verstehen, wenn wir ein wenig tiefer noch in das geistige Gefüge unseres Erdendaseins hineinblicken. Wir haben gestern gesehen, daß es eine Zeit gab, wo Erde und Sonne noch einen Körper bildeten. Der Mensch lebte schon damals, wenn auch unter ganz anderen Bedingungen als heute; er hatte ein dumpfes hellseherisches Bewußtsein; sein Organismus war so, daß er in dieser ErdenSonnenmasse leben konnte. Heute ist er so organisiert, daß, wenn der Sonnenstrahl zu ihm kommt und in sein Auge fällt, er dann diesen Sonnenstrahl sieht. Das heißt, er sieht den von außen an ihn herandringenden Sonnenstrahl, oder er sieht durch den Sonnenstrahl. Aber so war es nicht, als der Mensch noch mit der Erde in der Sonne war. Da sah er den Sonnenstrahl sozusagen von innen, er sah die seelischen Kräfte, die den Sonnenstrahl durchdrangen — und wissen Sie, was diese Seelenkräfte waren? Der Sonnenstrahl ist durchdrungen von derselben Kraft, die wir in unserem eigenen Astralleibe haben. Das physische Licht ist nur der äußere Leib des astralischen Lichtes, das von der Sonne ausstrahlt, und in Wahrheit ist das, was da oben den Pflanzenleib umglimmt, astralisch innig verbunden mit dem, was an Astralischem von der Sonne kommt. Sie haben einen Wunsch, einen Willen, weil Sie einen Astralleib haben. Hier ist Wunsch, Wille, Gefühl, was oben die Pflanzenblüte umspült. Was will denn das, was die Blüte umspült? Es will einsaugen, aufnehmen die Seele des Sonnenstrahls, und mit der Seele das Reinste, das Ich, und es ist die Fortsetzung des Sonnenstrahles, was durch die Pflanze zum Mittelpunkt der Erde geht. In dieser Tätigkeit des geistigen Inhaltes des Sonnenstrahls, der durch die Pflanze hindurch zum Mittelpunkt der Erde geht, drückt sich die Tätigkeit des Ich der Pflanze aus. So wirken Geist, Pflanze und Sonne zusammen. Es werden in der Tat die geistigen Kräfte, die in der Sonne liegen, fort und fort der Erde zugeführt, und wodurch? Durch jene die Pflanzenblüte umspülenden Astralkörper, die sich sehnen nach der Seele des Sonnenstrahls, die sie lechzend aufnehmen und hinuntersenken durch ihren Leib hindurch in die Erde. Das, was sich äußerlich abspielt in der physischen Welt durch die Einwirkung der Sonnenstrahlen, das ist nur die eine Seite, die andere aber ist, was in der Pflanze seelisch wirkt und was sich lechzend sehnt nach der Seele des Lichts, die in dem Sonnenstrahle der Erde zuströmt.
Cite:
GA 105/1908-08-06/p015 · edition original