Sechster Vortrag
Wir können auf einen Zeitpunkt hindeuten, wo diese Formgebung des Menschen einen gewissen Abschluß gefunden hat, wo sozusagen die menschliche Form in der Hauptsache fertig war. In der ersten Zeit der atlantischen Periode war das noch nicht der Fall. Wenn wir bis in die erste Zeit hinter der gewaltigen Katastrophe zurückgehen, die die alte Atlantis weggeräumt hat, so finden wir unsere Vorfahren in einem Zustand, der von unserem heutigen sehr verschieden ist. Erst in der Mitte der atlantischen Zeitepoche ungefähr gelangen wir an den Zeitpunkt, wo der Mensch in der Hauptsache seine Menschengestalt erhalten hat, wie wir sie heute kennen. Vorher war der Mensch durchaus nicht in einer solchen Weise fest wie nachher, sondern sein ganzer materieller Inhalt, wenn wir uns so ausdrücken dürfen, war weicher. In der ersten atlantischen Zeit finden wir den Menschen aus weicher Materie bestehend, die noch nichts von der heutigen Knochenhärte hatte, ja nicht einmal so fest wie Knorpel war. Der Mensch schwamm sozusagen noch herum in der noch ganz von dichten Wassern angefüllten und durchsetzten Luft, er war eine Art von Wasserwesen, in der Art, wie es heute gewisse Tiere gibt, die man kaum vom Wasser unterscheiden kann. Veranlagt war auch schon damals in den Kräften der Knochenbau, aber er war noch nicht verhärtet. Das ist die Zeit, in welcher auch noch ein ganz anderer Zusammenhang zwischen den höheren und den niederen Gliedern des Menschenwesens bestand. Erinnern wir uns noch einmal daran, daß heute, wenn der Mensch schläft, er seinen physischen und seinen Ätherleib im Bette liegen läßt, während der Astralleib und das Ich draußen sind. Da heute der Ätherleib annähernd in Form und Größe dem physischen gleicht, so ist der Mensch, wenn er sich mit seinem Astralleib aus dem physischen Leibe begibt, auch sehr bald aus dem Ätherleibe heraus. So war das nicht in der ersten atlantischen Zeit. Da ragte der Ätherleib nach allen Seiten, namentlich am Kopfe, über den physischen Leib heraus. Dieses Herausragen hatte zur Folge, daß der Astralleib, wenn er schon aus dem physischen Leibe herausgetreten war, immer noch mit dem Ätherleibe verbunden blieb. Wenn beim heutigen Menschen der Astralleib heraustritt, so hat er in demselben Augenblick, wo er den physischen Leib verlassen hat, auch den Ätherleib verlassen. Und die Folge dieser Verbindung des Astralleibes mit dem Ätherleibe, die früher noch andauerte, wenn der physische Leib schon verlassen war, bestand darin, daß der Mensch in der Nacht nicht eine solche Finsternis und Bewußtlosigkeit um und in sich hatte, wie es heute der Fall ist. Dann, wenn er aus seinem physischen Leibe heraus war, konnte er in einem dämmerhaften Hellsehen seelisch-geistige Wesenheiten wahrnehmen. Es ist so, daß, wenn Sie sich vorstellen, daß Sie einschlafen und Ihr Astralleib aus dem physischen Leibe heraustritt, daß dann Ihr Blick sich ablenkt von der physischen Welt, dafür aber Ihnen eine Welt entgegentritt, die mit seelisch-geistigen Wesenheiten bevölkert ist. Ein solcher Mensch aber konnte keinen festen physischen Leib brauchen, ein festes Knochensystem konnte er nicht brauchen; denn dadurch, daß der physische Leib weich war, war er auch beweglicher.
Cite:
GA 105/1908-08-10/p006 · edition original