{"corpus":"steiner","locus":"GA 105/1908-08-10/p014","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Nun können wir fragen: Ist das, was diese zurückgebliebenen Geister an dem Menschen getan haben, gegenüber dem, was die erhabenen Gewalten an ihm taten, im trivialen Sinne als etwas Schlechtes zu bezeichnen? Nein, durchaus nicht. Wenn wir uns die Tatsache vorhalten, die der hellseherische Blick prüfen kann, dann finden wir, daß sie in Wirklichkeit sogar die Entwickelung des Menschen beschleunigt haben. Der Mensch hätte mit der Ausbildung gewisser Fähigkeiten bis zum allerletzten Zeitpunkt warten müssen, während er sie dadurch früher erlangt hat. So erhielt der Mensch durch die luziferischen Wesenheiten vor der Zeit, die ihm zugedacht war, gewisse geistige Fähigkeiten und wurde so auf eine gewisse geistige Stufe hinaufgehoben. Das ist nichts Schlimmes, sondern so sonderbar es auch erscheinen mag, sogar etwas, was im höheren Sinne eine unendlich weise Führung in der Fortentwickelung der Menschheit bedeutet. Denn dadurch, daß der Mensch auf einer niedrigen Stufe gewisse Fähigkeiten erlangt hat, die ihm sonst erst in der Mitte der atlantischen Zeit zugedacht waren, trat er diesen Fähigkeiten in einer ganz anderen, selbstbewußten, freien Weise entgegen. Der Mensch wäre bis zur Mitte der atlantischen Zeit am Gängelbande geführt worden, wenn diese zurückgebliebenen Wesenheiten nicht eingegriffen hätten. Wie müssen wir daher ihr Zurückbleiben auffassen? Bei oberflächlichem Denken könnte man es leicht so auffassen, als ob sie zurückgeblieben wären, wie der Schüler im Gymnasium sitzen bleibt. Aber jene Geister sind nicht zurückgeblieben wegen ihrer Trägheit, sondern der Grund ihres Zurückbleibens war Opferwilligkeit. Um dem Menschen die Möglichkeit zu geben, die Gabe der Geister der Form in einer höheren, freien Weise zu empfangen, opferten sie sich. Wir haben einen langen Zeitraum menschlicher Entwickelung, wo der Mensch durch diese luziferischen Wesenheiten die Anfänge erhalten hat von Sprache, von Denken, namentlich von denkerischem Gedächtnis, wo er die Keimanlage zu Kunst und Wissenschaft erhalten hat. Alles das würde er, da er nur eine instinktive Tätigkeit sonst gehabt hätte, vorher nicht erlangt haben. Allerdings wurde dadurch auch etwas anderes, das sonst durch die Leitung der Geister der Form unabhängig von dem Menschen gewesen wäre, nun in seine Macht, in seine Gewalt gegeben: der Mensch wurde ausgesetzt dem Guten und dem Bösen; abzuirren vom rechten Wege, dem wurde er dadurch ausgesetzt. Ohne das Eingreifen der luziferischen Wesenheiten wäre er nie dem Guten und Bösen ausgesetzt worden, aber es wäre auch um seine Freiheit geschehen gewesen. Dadurch, daß diese Wesenheiten ein Stück der Entwickelung in eine Vorzeit hinaufgerückt haben, dadurch haben sie dem Menschen die Freiheit gegeben. Wir alle tragen in uns den Samen der Wirksamkeit dieser luziferischen Geister.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Sechster Vortrag","site_heading":null,"date":"1908-08-10","location":null,"word_count":417,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/105/1908-08-10/p014","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/105/1908-08-10/p014"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/105/1908-08-10/p014","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}