Achter Vortrag

GA 105/1908-08-12/p018 ·1908-08-12 · original (original)
Record: unknown. How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.

Nun kommen wir zu einer anderen Kraft. Betrachten Sie einen Sinnesgegenstand. Solange Sie das Auge darauf richten, wissen Sie, daß Sie mit dem Gegenstande in Korrespondenz sind: er wirkt auf Sie. Jetzt drehen Sie sich um und behalten das Vorstellungsbild des Gegenstandes im Gedächtnis. Der Gegenstand ist fort, aber das Bild bleibt Ihnen. Wenn der Mensch nicht die Fähigkeit hätte, solche Bilder zu behalten, würde er ein ganz anderes Wesen sein. Denn die Bilder würden, sobald Sie den Blick abwenden, verschwunden sein; Sie würden also auch nicht die Fähigkeit haben, die Eigenschaften der Wesen mit Ihrem eigenen Wesen zu verbinden. Das, was den heutigen Menschen fähig macht, ein Bild zu behalten, auch wenn der Gegenstand fort ist, sich die Dinge wieder vorzustellen, diese Bewußtseinsfähigkeit hatte der Mensch schon auf dem alten Monde, denn es ist dieselbe Fähigkeit, die es ihm damals möglich machte, das Äußere im Bilde zu sehen. Äußere Gegenstände konnte er damals nicht sehen wie heute, aber wenn er sich einem Gegenstande genähert hätte, würde ihm ein astrales Bild aufgestiegen sein, wie ein lebhaftes Traumbild, das aber in einer bestimmten Beziehung zu dem Gegenstande stand. Nicht ein Gegenstands-, sondern ein Bilderbewußtsein hatte der Mensch. Heute stellt sich der Mensch in Korrespondenz mit den Gegenständen, er hat das Bild über die Gegenstände ausgebreitet. Von dieser Fähigkeit ist ein letzter Rest zurückgeblieben in dem Erinnerungsbild. Dafür aber ist dies Erinnerungsbild auch etwas, was schon eine weitere Geltung hat als die bloße Betrachtung des äußeren Gegenstandes. Wenn Sie mehrere gleiche äußere Gegenstände betrachten, so bringen Sie sie unter einen gemeinschaftlichen Begriff. Es gibt viele Stücke Kreide, Sie bringen sie alle unter den gemeinschaftlichen Begriff Kreide. So kommt der Mensch hinauf zu allgemeinen Begriffen, für die keine äußeren Wesen existieren. Er kann innerlich arbeiten mit seinen Vorstellungen; und wenn Sie mit diesem innerlichen Arbeiten, mit diesem Vorstellen, ohne daß es auf Gegenstände bezogen ist, in Beziehung treten würden zu Wesen außerhalb unseres planetarischen Daseins, da würden Sie sich schon leichter verständigen können. Das Bilderbewußtsein, das der Mensch hatte, bevor er äußere Gegenstände wahrnehmen konnte, und das ein dämmerhaft-hellseherisches war, und auch das imaginative Bewußtsein, das sich später einmal entwickeln wird, beide sind schon umfassender. Wenn der Mensch sich durch die okkulte Entwickelung das Bilderbewußtsein aneignet, so daß er nicht nur darauf angewiesen ist, äußere Gegenstände wahrzunehmen, sondern wenn er zum Beispiel die Aura eines Menschen ausströmen sieht, wenn er in Bildern das Seelisch-Geistige um sich herum sieht, wenn ihm in bildhaften Symbolen vor Augen tritt, was in der Welt lebt, dann ist er zu der Fähigkeit aufgestiegen mit diesem Bewußtsein, sich mit anderen Wesenheiten in Verbindung zu setzen, die die planetarische Welt bewohnen.

Read this passage in another edition
DEoriginalENEnglish
Raw JSON: /v1/steiner/de/ga/105/1908-08-12/p018.json
Cite: GA 105/1908-08-12/p018 · edition original