{"corpus":"steiner","locus":"GA 105/1908-08-13/p004","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Wir wissen, vor der Mitte der atlantischen Zeit waren die Bewußtseinsverhältnisse des Menschen noch ganz andere. Während des Tages, während der Mensch in seinem physischen Leibe war — wenn wir so sprechen dürfen -, sah er die Gegenstände keineswegs in den scharfen Konturen wie heute, sondern alles war mehr oder weniger verschwommen. Dafür aber, wenn der Mensch nachts seinen physischen Leib verließ, breitete sich nicht ein traumloser Schlaf um ihn aus, sondern er konnte wahrnehmen geistige Wesenheiten einer geistigen Welt. Wir wollen nicht weiter berühren, daß jene geistigen Wesenheiten, die auch Verkörperungen suchten in atlantischen Leibern, eine gewisse Genossenschaft mit den Menschen eingingen; wir wollen nur darauf den Blick richten, daß der Mensch in jener Zeit aus dem unmittelbaren Erleben heraus die Überzeugung hatte, daß sich an das Menschenreich, dem er selbst angehörte, andere Reiche nach oben hinauf anreihten: das Reich der Engel, der Erzengel; und der Mensch lernte diese höheren Wesenheiten — wenn wir den Ausdruck gebrauchen dürfen — von geistigem Angesicht zu geistigem Angesicht kennen, so wie jetzt in der physischen Welt ein Mensch den anderen kennenlernt. Dann kam die Zeit, in welcher das Gegenstandsbewußtsein am Tage, vom Aufwachen an bis zum Einschlafen, immer deutlicher wurde, und wo demgegenüber sich in der Nacht immer mehr Dumpfheit und Dunkelheit ausbreitete. Das aber war derselbe Zeitpunkt, in dem die erste Keimanlage zu dem Ich oder «Ich bin» in den Menschen gelegt wurde. Dadurch, daß der Mensch die Gegenstände um sich herum wahrnehmen lernte, erlangte er zugleich die Form und Gestalt seines Selbstbewußtseins, die er nun immer mehr ausbilden sollte.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Neunter Vortrag","site_heading":null,"date":"1908-08-13","location":null,"word_count":259,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/105/1908-08-13/p004","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/105/1908-08-13/p004"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/105/1908-08-13/p004","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}