{"corpus":"steiner","locus":"GA 105/1908-08-13/p005","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Nun müssen wir uns alles in der Welt gradweise vorstellen; wir müssen uns denken, daß genau so, wie es in dem Tier- und Menschenreiche alle möglichen Grade von Wesen gibt, auch in der Reihe von Wesenheiten über den Menschen hinaus die verschiedensten Grade vorhanden sind. Es gibt Wesenheiten in dem Reiche der Engel, die dem Menschen sehr nahe stehen; dann aber auch solche, die auf einer höheren, auf einer erhabenen Stufe sind - alle nur denkbaren Grade würden wir antreffen, wenn wir den Blick auf diese höheren Welten richten würden. Vor allen Dingen müssen wir uns darüber klar sein, daß diese höheren Wesenheiten damals, als der Mensch noch während der Nacht im dumpfen, hellseherischen Bewußtsein in die höheren Welten hinaufstieg, in einer gewissen Beziehung — ganz trivial gesprochen — auch etwas hatten von dieser Gabe des Menschen; daß sie durch den Verkehr mit den Menschen eine Bereicherung ihres eigenen Inneren erfuhren. Denn diese Wesenheiten waren damals auch noch innig mit dem Menschen verbunden; sie inspirierten ihn, sie nahmen Einfluß auf sein imaginatives Bewußtsein, das ja freilich nur ein dumpfes war. So daß wir uns den Menschen in jener alten Zeit so vorstellen müssen, daß, wenn er aus seinem physischen und Ätherleibe herausrückte, es so war, wie wenn ihn ein solches höheres Wesen, und im weiteren Sinne eine Schar von höheren Wesen, aufnehmen würde. Im Grunde genommen ist das auch noch heute der Fall, nur weiß der Mensch nichts davon, während er es damals, wenn auch nur dumpf-hellseherisch, gewußt hat. Wir haben schon in anderen Vorträgen erwähnt, daß auch heute der Schlaf keineswegs etwas Unnötiges für den Menschen ist; er hat seine gewaltige Aufgabe. Der Mensch nützt während des Tages seinen physischen Leib und seinen Ätherleib fortwährend ab. Das Leben, das wir vom Morgen bis zum Abend führen, ist ein Abnützen dieser beiden Leiber, und was Sie abends als Ermüdung spüren, ist nichts anderes als der Ausdruck davon, daß innerhalb Ihres physischen und Ätherleibes, auf dem Umwege durch den Astralleib, Wahrnehmungen der äußeren Welt stattgefunden haben, daß Gefühle, Impulse, Leid und Schmerz, daß alles mögliche sich in Ihnen abgespielt hat. Und das, was sich so abspielt, das nützt den ganzen Tag über unseren physischen und ÄAtherleib ab, und wir sind des Abends ermüdet, weil wir den ganzen Tag an der Zerstörung unseres physischen und Ätherleibes gearbeitet haben. Wenn Sie nun nachts Ihren physischen Leib und Ihren Ätherleib im Bette liegen haben, dann ist der Astralleib mit dem Ich nicht etwa untätig, sondern er schickt die ganze Nacht über seine Kraft in den physischen und Ätherleib hinein; er arbeitet, um die zerstörten und verbrauchten Kräfte wiederherzustellen. Aber das könnte er nicht, wenn er nicht beim Herausrücken aus dem physischen und Atherleibe in ein anderes Reich aufgenommen würde. Über dem menschlichen Reiche breitet sich in der Tat ein geistiges Reich aus, das Reich der Engel, Erzengel und anderer Wesenheiten. Es ist wie ein Ozean von geistigen Wesenheiten, die uns da umgeben, und von denen wir am Tage getrennt sind, weil wir innerhalb der Haut unseres Leibes, innerhalb unserer Wahrnehmungen eingeschlossen sind. In der Nacht aber tauchen wir in diesen Ozean der Geister unter, und der Astralleib saugt daraus die Kräfte, die er dann in den physischen und Ätherleib hineingießt, um diese wieder auszubessern. Davon weiß heute der Mensch nichts. Damals aber, als der Mensch noch das dumpfe, hellseherische Bewußtsein hatte, da sah er, wie das Ich und der Astralleib heraustraten und aufgenommen wurden von der göttlich-geistigen Welt.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Neunter Vortrag","site_heading":null,"date":"1908-08-13","location":null,"word_count":574,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/105/1908-08-13/p005","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/105/1908-08-13/p005"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/105/1908-08-13/p005","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}