Neunter Vortrag
Jetzt versuchen wir, uns in den Gemütszustand dieser von Westen nach Osten, nach Europa, gezogenen Bevölkerung zu versetzen. Sie waren in einer gewissen Weise durchaus bis zu der Höhe hinaufgekommen, wo sie in eine Weiterentwickelung eintreten konnten. Sie waren nicht verknöchert, sondern sie hatten den Keim zur vollen Weiterentwickelung. Aber gerade sie verblieben mit einer verhältnismäßig starken Gabe hellseherischen Vermögens. Unter fast allen Völkern, die von dem atlantischen Kontinent hinausgezogen waren, war es die europäische Bevölkerung, die mit der stärksten hellseherischen Anlage begabt war; weniger stark begabt war die afrikanische Bevölkerung. In Asien war die vorgeschrittenste Bevölkerung, die schon früh hinübergezogen war, mit einer noch älteren zusammengestoßen, und sie hatten diese Völker im Besitz eines noch älteren hellseherischen Bewußtseins angetroffen, so daß es auch dort viel Hellsehen in jener Zeit gab. Dann aber gab es eine gewisse kleine Kolonie, die gerade aus den am weitesten vorgeschrittenen Menschen der atlantischen Zeit bestand, die in der Nähe der Wüste Gobi war. Was waren das für Menschen? Was heißt das überhaupt: am weitesten vorgeschritten? Das bedeutete: am wenigsten hineinsehen können in die geistige Welt. Denn darin bestand ja der Fortschritt, daß sie herausgegangen waren aus dem Geistigen und hineinzogen in die physische Welt. Es waren Menschen, die empfinden mußten: Wir haben früher einmal einen Zusammenhang mit der geistigen Welt gehabt, jetzt aber haben wir ihn nicht mehr. - Wehmut über den Verlust der geistigen Welt war es, was in den Herzen dieser Menschen lebte, Sehnsucht nach dieser Welt, die die wertvollere war und aus der sie herausgedrängt waren.
Cite:
GA 105/1908-08-13/p011 · edition original