Neunter Vortrag

GA 105/1908-08-13/p018 ·1908-08-13 · original (original)
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Wir haben gesehen, wie des Menschen Keimanlage zu dem «Ich bin» sich Stufe für Stufe in der Erdentwickelung vorbereitet hat. Wir haben gesehen, daß diese Keimanlage sich niemals hätte ausbilden können, wenn die Sonne sich nicht von der Erde getrennt hätte; daß auch der Mond sich von der Erde hat trennen müssen, und daß dann diese Keimanlage sich erst allmählich dadurch weiter ausbilden konnte, daß der Horizont gegenüber der göttlich-geistigen Welt sich verschlossen hatte. Machen wir uns klar, wie diese Keimanlage sich ausgebildet hat. Was lernt denn der Mensch allmählich in seiner Erdentwickelung? Wir sehen zurück auf alte Zeiten, wo er noch nicht hat wahrnehmen können, wo er bloß in der geistigen Welt gelebt hat; dann kam die Zeit, wo die Dinge im Physischen ihm nur verschwommen erschienen, wo er immer noch die geistigen Reiche wahrnehmen konnte. Wer war es denn, der diesen Menschen so vorbereitete, daß er in späteren Zeiten, als er die volle Sonne hat sehen können, auch reif dazu war? Derjenige Gott war es, der den Menschen sozusagen aufpäppelte zu der vollen Reife, den wir Jehova genannt haben, der sich getrennt hat von den Elohim, um von dem Monde aus vorzubereiten den höchsten Augenblick des Erdendaseins. Während der Mensch noch nicht hat wahrnehmen können in der äußeren Welt, träufelte der Gott Jehova das Ich-Bewußtsein ein. Er war es, der sich einschlich in die alten Einweihungen, die bei dumpfem Bewußtsein stattfanden; der den Menschen im Traum erschien, der die Menschen langsam vorbereitet hat für die Ich-Reife, die sie erst durch den Herabstieg des Christus erlangen konnten. Nicht auf einmal ist er gekommen, der Christus, nicht auf einmal hinuntergestiegen, sondern das war nur die letzte, persönliche Erscheinung; gewirkt aber hat er schon in jenen alten Zeiten durch die Propheten. Weist doch der Christus im Johannes-Evangelium selbst darauf hin, daß diejenigen, die nicht an Moses und an die Propheten geglaubt haben, auch nicht an ihn glauben würden; denn er sagt, Moses und die Propheten haben von ihm gesprochen, zwar noch nicht von dem, der auf der Erde gestanden hat, aber der angekündigt worden ist. Der Christus hat in diesem Sinne eine gewisse Geschichte in der Erdentwickelung. Wenn wir zurückgehen in die alten Mysterien, können wir überall diese Geschichte des Christus und sein Herabsteigen finden.

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Cite: GA 105/1908-08-13/p018 · edition original