{"corpus":"steiner","locus":"GA 105/1908-08-13/p020","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Nehmen wir an, wir haben den Menschen vor uns in seiner Viergliedrigkeit, und sein Ich, sein Astral-, Äther- und physischer Leib werden von der Sonne beschienen. Dadurch, daß der Christus auf die Erde gekommen ist, ist der Mensch fähig geworden, die physischen und geistigen Kräfte der Sonne aufzunehmen. Vorher war das anders. Da fiel während des Schlafes, wenn der Astralleib mit dem Ich außerhalb des physischen und Atherleibes war, während der Nachtzeit sozusagen nicht das direkte, sondern das reflektierte Sonnenlicht vom Monde auf den Menschen herab; er nahm dies reflektierte Licht auf, nicht das direkte Sonnenlicht. Das ist als äußerlicher symbolischer Tatbestand genau so, wie es mit dem Christus war, der als geistiger Sonnenstrahl lebte, und mit Jehova, der so lange das reflektierte Christus-Licht zurückstrahlte, bis der Mensch reif wurde, das direkte Sonnen-ChristusLicht zu empfangen. Wie aus einem Spiegel sandte Jehova den Christus zur Menschheit nieder. Wie sprach man also von dem Christus, wenn man vor seinem Erscheinen sprach? Man sprach von ihm, indem man von Jehova’sprach, und deshalb sagt Jehova zu Moses: Sage deinem Volke: Ich bin der Ich-bin. - Das ist derselbe Name, der später dem Christus beigelegt wird. Er will gar nicht sein eigenes Antlitz schon der Menschheit zuwenden, er bereitet den Christus vor, das Bild des Christus gibt er der Menschheit, bevor der Christus selbst zu ihr heruntersteigt. Und weil die Menschen in ihrem tiefsten Inneren, mit ihrem «Ich bin» diesen Christus erfassen sollen, weil sie in ihm den ganzen Herunterstieg in diese physische Welt erfassen sollen, deshalb bewahrte sich diese Menschengruppe, die den Christus am echtesten vorbereiten sollte, am festesten die Idee des gestaltlosen Gottes. Eine neue Vorstellung des Gottes mußte sie sich erringen, nicht nur sich erinnern der alten Gestalt. Und so wird dieses Volk in seiner Jehovareligion in der Tat das auf den Christus vorbereitende Volk. Nun aber muß man sich klar sein, daß alles das, was in der Welt besonders stark angestrebt werden soll, sozusagen auch von starken Impulsen ausgehen muß. Daher mußten auch die Kräfte des bildlosen Gottes gewissermaßen überspannt werden innerhalb des Alten Testamentes: Ein ganz abstrakter bildloser Gott, der in den Mittelpunkt einer bloßen Ich-Wesenheit zusammengedrängt ist, steht im Mittelpunkt der alttestamentlichen Religion, ein Ich-Gott, ein bildloser Gott.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Neunter Vortrag","site_heading":null,"date":"1908-08-13","location":null,"word_count":369,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/105/1908-08-13/p020","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/105/1908-08-13/p020"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/105/1908-08-13/p020","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}