Zehnter Vortrag
Wenn der Mensch nun im Tode seinen Leib verläßt, dann steigt er in die höheren Reiche hinauf, in das Reich der Engel, der Erzengel, der Urkräfte, ja in noch höhere Reiche steigt er hinauf. Genau so, wie er durch die Bedürfnisse seines physischen Leibes ein Verhältnis zu den unteren Reichen eingeht, so geht er nach dem Tode ein Verhältnis zu den höheren Reichen ein. Und nun versetzen wir uns einmal zurück in die Zeit, wo der Mensch erst angefangen hat, seine irdischen Inkarnationen anzutreten, in die lemurische Vergangenheit, wo der Mensch zwar in einen physischen Körper untertauchte, aber noch sehr wenig Zusammenhang mit der physischen Welt hatte, wo sein physischer Leib ihm eigentlich noch kaum die Spuren von Sinnesorganen eingegliedert hatte, so daß er also kaum eine Wahrnehmung der äußeren physischen Welt hatte; wo er auch von den physischen Stoffen und Kräften noch wenig brauchte, wo er noch wenig heimisch in der physischen Welt war. Solch einen Zustand, wo der Mensch noch sehr wenige Beziehungen zu der physischen Welt hatte, gab es in der Tat im Beginne der Menscheninkarnationen. Um so mehr aber war er heimisch in den geistigen Welten. Es war das ja zugleich die Zeit, in welcher der Mensch, wenn er herauskam aus seinem physischen Leib - nicht nur im Schlafe, sondern auch nach dem Tode -, eintauchte in eine Welt voll des geistigen Lichtes, wo er eine Welt von geistigen Wesenheiten wahrnahm und gewissermaßen aus diesen geistigen Wesenheiten ebenso seine Kräfte herauszog, wie der Mensch es jetzt aus der physischen Welt tut, wo er sich in die über ihm aufgebauten höheren Reiche ebenso hinausdehnte, wie er heute sich in die physische Welt hineindehnt, wo er sich ausdehnte in die Reiche der Engel und der Erzengel und der höheren Reiche, die in das seinige hineinragten. Es war so, daß der Mensch mit dem Tode erst so recht sein zwar dämmerhaft-dumpfes, aber eben doch sein Bewußtsein erlangte. So lebte er sich hinein, sich geistig ernährend - bildlich gesprochen — von der Anschauung der göttlich-geistigen Wesenheiten. Sein Ich hat sich der Mensch erobert im Laufe der Zeiten, als er durch die verschiedenen Inkarnationen in der äußeren physischen Welt gegangen ist; das hatte er früher nicht.
Cite:
GA 105/1908-08-14/p006 · edition original