Zehnter Vortrag
Andere Wesenheiten, von denen wir gesagt haben, daß sie auf früherer Stufe ihre Menschheit durchgemacht haben, hatten das Ich, und der Mensch lernte, indem er diese Wesenheiten anschauen konnte, das Ich kennen; er lernte es im rechten Maße eigentlich erst kennen in der Zeit zwischen Tod und neuer Geburt. Es war so, daß damals der Mensch, wenn er starb, das Gefühl hatte: Jetzt beginne ich erst zu leben, jetzt lebe ich in der Anschauung von göttlich-geistigen Wesenheiten. Und es war tatsächlich so: Je weiter er sich von dem Tode entfernte, je längere Zeit er nach dem 'Tode verlebte, desto höhere Stufen erreichte er, in die Sphären um so höherer Wesenheiten kam er. Immer bewußter und bewußter wurde er, bis eine Zeit kam — zwischen dem Tode und einer neuen Geburt —, wo ihm dasjenige Wesen erschien, das seinem Leben eigentlich erst den rechten Inhalt gegeben hatte, demgegenüber er empfand: aus dem bin ich, dem gehöre ich an. Das war in jener uralten Zeit dasselbe Wesen, das dann später auf der Erde erschien, inkarniert als der Christus. Der Mensch hat zwar in der alten lemurischen Zeit den Christus nicht in einem physischen Leib gesehen, aber er hat ihn in der Mitte zwischen Tod und neuer Geburt gesehen, und so war er seiner teilhaft geworden, er kannte ihn in der geistigen Welt. Und immer näher rückte die Zeit heran, wo der Mensch bewußter wurde in der physischen Welt. Wir wissen, dieses volle Bewußtsein ist erst in der Mitte der atlantischen Zeit eingetreten, aber es geschah stufenweise. Je mehr der Mensch in der physischen Welt bewußt wurde, je mehr er die Keimanlage zum Ich in der physischen Welt hatte, desto weniger reichte sein Bewußtsein nach dem Tode in die höheren Welten hinauf. Zuerst konnte er sich nicht mehr aufschwingen zu dem Anblicke der Christus-Gestalt, er sah nur noch Engel und Erzengel; und später in der atlantischen Zeit ward ihm auch der Anblick der Engel und Erzengel nicht mehr, nur noch den Fortgeschrittenen war dieser Anblick vergönnt. Normalerweise hat der Mensch nur in dem alten dämmerhaften Bewußtsein die Engel wahrgenommen, und Engel sind es auch im christlichen Sinne, was in der Erinnerung die Griechen im Zeus und die Germanen im Wotan als ihre Gottheit angesprochen haben.
Cite:
GA 105/1908-08-14/p007 · edition original