Zehnter Vortrag
So erlebt tatsächlich die Seele in einer anderen Welt, die zwischen Tod und Geburt verläuft, ihr Schicksal. Und immer mehr und mehr verdunkelt sich das Bewußtsein, niemals aber vollständig, denn niemals ist das Bewußtsein zwischen Tod und Geburt erloschen. Aber es verdunkelt sich, trivial ausgedrückt: Der Mensch muß sich immer mehr mit dem Anschauen niedrigerer Wesen begnügen, je mehr er die sinnlich-physische Welt liebgewinnt; immer weniger können die höheren Wesen Gemeinschaft mit dem Menschen halten, der Mensch entschlüpft den höheren Wesenheiten. Alle die Wesenheiten, die noch in der atlantischen Zeit, als der Mensch noch hellseherisch war, gute Genossen des Menschen waren, namentlich in der Zeit zwischen Tod und neuer Geburt, sie entschwinden; nach und nach verliert sich das Verbindungsband zwischen dem Menschen und jenen alten Göttern. Wir haben gesehen, wie es noch Nachzügler gab des alten Hellsehens bis hinein in spätere Zeiten der europäischen Kultur, wie es noch Menschen gibt, die sich in gewissen Zuständen ihres Bewußtseins erheben können zu der Anschauung der Götter. Solche Menschen genießen auch nach dem Tode eine um so lebendigere Gemeinschaft mit den Göttern, um so inniger leben sie mit ihnen zusammen. Und das ist nicht nur den Menschen wohl, das ist auch den Göttern wohl, denn die Menschen bringen hinauf das, was sie sich hier in der physischen Welt an Liebe erobert haben. Die Götter empfangen das als Opfer zurück, was die Menschen in der physischen Welt als Liebe empfangen. Aber immer weniger sind die Menschen geeignet dazu, weil sie die physische Welt immer lieber gewinnen.
Cite:
GA 105/1908-08-14/p010 · edition original