Zehnter Vortrag

GA 105/1908-08-14/p014 ·1908-08-14 · original (original)
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Denken wir uns eine solche Wesenheit, die durch viele Inkarnationen hindurch ihren Leib, das heißt die Kräfte ihres Leibes, die innere Beherrschung ihrer Kräfte so weit ausgebildet hatte, daß sie mehr in der geistigen als in der physischen Welt lebte und dadurch der Träger einer solchen höheren Wesenheit werden konnte. Konnte solch ein Wesen vollständig verstanden werden von denjenigen Menschen, die ganz in die physische Welt herabgestiegen waren, die immer mehr sich bemühten, gerade diesen physischen Plan liebzugewinnen und ihre Arbeit auf diesem physischen Plane zu verrichten? Oder konnte es nicht vielmehr von denen besser verstanden werden, die sich mehr den Charakter einer früheren Zeit erhalten hatten, die mehr Nachzügler früherer Zeitalter geblieben waren? In der Tat konnte eine solche Wesenheit weit besser verstanden werden von den Nachzüglern selbst der atlantischen Zeit. Namentlich sind es die mongolischen Völkerschaften, die nicht so tief hinabgestiegen sind, sich nicht so verstrickt haben in den physischen Plan, auch nicht so viel für dessen Eroberung getan haben wie die europäischen Völker. Wir sehen ja, wie gerade von den letztgenannten Völkern das geleistet wird, was wir die äußere physische Kultur, die Eroberung des physischen Planes nennen, während die Nachzügler, die Spätlinge der atlantischen Kultur etwas Stationäres haben, sich daher nicht in die Welt der nachatlantischen Entwickelung hineinfinden können, weil sie sich gewisse Charaktereigenschaften bewahrt haben und dann degeneriert sind. Man weist vielfach heute darauf hin, daß die Japaner einebedeutsame Entwickelung durchmachen aus ihren Charaktereigenschaften heraus; das ist eine Illusion. Das istkeine Entwickelung, die sie aus ihren Eigenschaften heraus durchmachen; wenn sie im letzten Kriege mit den von europäischen Völkern erfundenen Kriegsschiffen und Kanonen gesiegt haben, so haben sie sich fremder Kultur bedient. Das ist keine Fortentwickelung, wenn ein Volk das angenommen hat, was aus dem Wesen eines fremden Volkes entsprungen ist, sondern nur, wenn es sich aus seiner eigenen Wesenheit heraus entwikkeln kann. Darauf kommt es an. Von solchen Völkern, die in einer gewissen Weise stationär geblieben sind, die Zustände darstellen in einer späteren Zeit, über die die europäischen Völker durch das persönliche Bewußtsein, durch das Freiheitsgefühl herausgewachsen sind, von solchen Völkern konnten geistige Individualitäten, die in der atlantischen Zeit noch Genossen der Menschen waren, verstanden werden. Solchen Menschen mußte daher auch ihre Erziehung zugewendet werden. Und wir sehen da jenes große Geheimnis sich vollziehen, daß in der Tat diese Wesenheiten, welche damals, als die europäische Bevölkerung noch auf einer früheren Stufe der Entwickelung war, vollständig verstanden wurden, sich auch dort inkarnierten und als Lehrer in den großen Einweihungsschulen erschienen und deshalb später auch als Götter verehrt wurden. Wir sehen, wie Wotan, der früher als Eingeweihter in einem Menschenleib gewohnt und in den heiligen Mysterien gelehrt hatte, wie Wotan gerade dadurch, daß er nicht tief genug hinabgestiegen war, sich in jener Menschengruppe verkörpern konnte, die in einer gewissen Weise zurückgeblieben war, die eben deshalb etwas von der Nichtigkeit des physischen Planes fühlte, ihn nicht als vollwertigen Ausdruck der Gottheit ansah, sondern ihn als eine Stätte des Leides, des Wehs, des Schmerzes betrachtete, so daß es wirklich der Seligkeit entsprechend sei, sich von diesem physischen Plane zurückzuziehen.

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Cite: GA 105/1908-08-14/p014 · edition original