{"corpus":"steiner","locus":"GA 105/1908-08-14/p017","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Indem also die Menschheit sich mehr und mehr den physischen Plan erobern mußte, war es in einer späteren Zeit nicht mehr möglich, daß sich solche geistige Wesenheiten unmittelbar in einem Menschenleib verkörperten. Dazu bedurfte es einer stärkeren geistigen Wesenheit, jener Wesenheit, die früher von allen verkündet worden ist, die vor ihr gelehrt haben. Sogar die alten Ägypter, die in dem Osirisnamen noch an ihre Zugehörigkeit zu dem alten Geist der Sonne erinnern, sie sagten: Das Reich des Osiris wird wieder begründet werden auf Erden. — Eine solche Individualität war dazu nötig wie diejenige, die wir als den Christus erkennen. Während er sich sozusagen immer mehr und mehr aus dem Reiche der Gestorbenen zurückzog - und wir sehen ihn förmlich auf der Seite jenseits des Lebens verschwinden -, rückt er von der anderen Seite immer mehr heran, bis er in der vierten Epoche sichtbar verkörpert ist in einem Menschenleibe, allerdings in einem Leibe, der ganz besonders dazu präpariert werden mußte. Solch ein Menschenleib wie diejenigen, die ganz bis zum physischen Plane heruntergestiegen sind, konnte das Christus-Prinzip nicht unmittelbar aufnehmen. Dazu war etwas anderes notwendig. Selbst eine Wesenheit wie diejenige, welche wir ansprechen als Jesus von Nazareth, die viele Inkarnationen durchlebt hatte und auf hoher Stufe angelangt war und eine hohe Einweihungsstufe erreicht hatte, selbst sie war nicht etwa bei ihrer Geburt schon fähig, der Träger der Christus-Individualität zu werden. Wohl aber, nachdem sie sich durch ein Leben von dreißig Jahren dazu vorbereitet hatte, war sie fähig geworden, die äußeren menschlichen Hüllen, den physischen Leib, den Äther- und Astralleib so weit zu läutern und zu reinigen, daß die Individualität des Jesus von Nazareth diese gereinigten Leiber verlassen konnte. Die Individualität des Jesus von Nazareth verließ im dreißigsten Jahre seines Lebens die äußeren Hüllen, die durch die Kraft dieser Individualität gereinigt worden waren. Angedeutet wird dieses Verlassen der äußeren Leibeshüllen im Evangelium durch die Johannes-Taufe im Jordan. Da ist es, wo die Wesenheit ausgetauscht wird, wo die Christus-Individualität Besitz ergreift, jetzt nicht von einem gewöhnlichen Menschenleibe, sondern von einem Leibe, der rein, geläutert ist in dreißig Jahren. So haben wir die drei Jahre, in denen der Christus auf Erden wandelte im Leibe des Jesus, und die im Evangelium als die Jahre zwischen der Taufe und dem Mysterium von Golgatha angedeutet werden. Nicht wie im gewöhnlichen Laufe der Dinge erschien hier eine Individualität so, daß sie schon bei der Geburt sich solche Gestalt zu geben vermochte, wie sie die Erfahrung vieler Inkarnationen möglich machte, sondern so, daß diese Individualität in einem Leibe aufgenommen wurde, der in einem dreißigjährigen Verstricktsein in der physischen Welt gelebt, der voll der physischen Welt zugewendet war, welche durch den Christus den großen Impuls empfangen sollte. Dadurch geschah bei dieser Aufnahme der Christus-Individualität in die drei Leiber des Jesus von Nazareth etwas sehr, sehr Bedeutungsvolles, etwas, was der Esoteriker auch im Evangelium lesen kann, wenn er wirklich in ihm zu lesen versteht. Es steht darinnen, nur stehen solche Dinge verhüllt.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Zehnter Vortrag","site_heading":null,"date":"1908-08-14","location":null,"word_count":490,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/105/1908-08-14/p017","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/105/1908-08-14/p017"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/105/1908-08-14/p017","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}