{"corpus":"steiner","locus":"GA 105/1908-08-16/p003","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Wir haben weite Strecken der Menschheitsentwickelung und im Zusammenhang damit auch der Weltentwickelung vor dem Blicke unserer Seele vorüberziehen lassen. Wir haben gesehen, wie geheimnisvolle Zusammenhänge in der Weltentwickelung sich widerspiegelten in der eigentlichen menschlichen Kulturentwickelung, in der sogenannten nachatlantischen Zeit. Wir haben gesehen, wie die erste Periode unserer Erdentwickelung sich in der indischen Kultur spiegelte; wie die zweite, die der Trennung der Sonne von der Erde, sich in der persischen Kultur spiegelte; und dann haben wir versucht, soweit die Zeit es uns erlaubte, ganz besonders zu schildern und zu zeichnen, wie die mannigfachsten Geschehnisse und Ereignisse der lemurischen Zeit, die die dritte Epoche unserer Erdentwickelung bildet und wo der Mensch die erste Anlage zum Ich erhielt, wie alle diese Geschehnisse sich in der ägyptischen Kultur widerspiegelten. Wir haben gesehen, wie die Einweihungsweisheit der alten Ägypter eine Art Erinnerung an diese Zeit ist, die die Menschheit erst während der Erdentwickelung durchgemacht hat. Und dann haben wir gesehen, wie der vierte Zeitraum, die Zeit der eigentlichen Ehe zwischen Geist und Leib, die uns so schön in den Kunstwerken der Griechen entgegentritt, eine Spiegelung der Erlebnisse ist, die der Mensch mit den alten Göttern hatte, jenen Wesenheiten, die wir als Engel bezeichnen. Und wir sahen: nichts ist zurückgeblieben, was sich spiegeln könnte für unsere Zeit, für den fünften Zeitraum, der sich jetzt bei uns abspielt. Aber es bestehen geheimnisvolle Zusammenhänge zwischen den einzelnen Kulturepochen der nachatlantischen Zeit, Zusammenhänge, auf die wir schon im ersten Vortrage hindeuteten. Sie erinnern sich, daß wir darauf hinwiesen, wie das Gebanntsein des gegenwärtigen Menschen an die unmittelbar sinnliche Umgebung, wie dieser, man möchte sagen, materialistische Glaube, daß nur das wirklich ist, was Geschehnis zwischen Geburt und Tod ist, was im Fleisch verkörpert ist, wie das darauf zurückzuführen ist, daß die alten Ägypter solche besondere Sorgfalt auf die Konservierung ihrer Leichname verwandt haben. Damals hat man versucht, das, was physische Form ist vom Menschen, zu bewahren. Und das ist nach dem Tode nicht ohne Wirkung auf die Seele geblieben. Wenn die Form in dieser Weise konserviert wird, so ist in der Tat die Seele nach dem Tode in einer gewissen Beziehung noch mit der menschlichen Form verbunden, die sie während des Lebens hatte. Es bilden sich dann in der Seele Gedankenformen, die festhalten an dieser sinnlichen Form; und da der Mensch sich immer wieder und wieder verkörpert, die Seele in immer neuen Leibern auftritt, so bleiben diese Gedankenformen. Es hat sich fest eingewurzelt in der menschlichen Seele alles das, was sie erleben mußte, wenn sie aus geistigen Höhen hinunterschaute auf ihren als Mumie konservierten Leichnam. Daher hat die Seele es verlernt, den Blick abzuwenden von dem, was in das physische Fleisch eingebannt ist, und das hat es gemacht, daß zahlreiche Seelen, die im alten Ägypten verkörpert waren, heute mit der Frucht der Anschauung des sinnlichen Leibes wiederum verkörpert sind, sie können nur glauben, daß dieser sinnliche Leib das Wirkliche ist. Das wurde damals der Seele eingepflanzt. Denn all solche Dinge, die sich in einer Kulturepoche abspielen, sind durchaus nicht ohne Zusammenhang mit anderen Kulturepochen.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Elfter Vortrag","site_heading":null,"date":"1908-08-16","location":null,"word_count":506,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/105/1908-08-16/p003","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/105/1908-08-16/p003"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/105/1908-08-16/p003","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}