Elfter Vortrag

GA 105/1908-08-16/p012 ·1908-08-16 · original (original)
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Wir sehen also: nicht bloß ein gerader Fortgang der Entwickelung ist es, der uns da entgegentritt, sondern etwas wie eine Spaltung der Entwickelung. Ein Zweig wurde mehr materiell, einer mehr geistig. Das, was früher mehr in einer Linie gelaufen ist, spaltet sich in zwei Zweige der Menschheitsentwickelung. Gehen Sie in die alten Zeiten zurück, in die ägyptische, in die persische, in die altindische Kultur: eine für sich bestehende Wissenschaft, einen für sich bestehenden Glauben gab es da nicht. Das, was man erfaßte über die geistigen Urgründe der Welt, geht in einer geraden Linie bis zu dem Wissen von den Einzelheiten herunter, und man kann aufsteigen von dem Wissen der materiellen Welt bis zum höchsten Gipfel, einen Widerspruch zwischen Wissen und Glauben gibt es da nicht. Was wir heute diesen Gegensatz nennen, das würde ein altindischer Weiser, ein chaldäischer Priester nicht verstanden haben; sie wußten noch nicht von einem Unterschied, und auch die Ägypter wußten noch keinen Unterschied zwischen dem, was man bloß glauben soll und was ein Wissen sein soll. Dieser Unterschied machte sich erst geltend, als der Mensch tiefer hineinsank in die Materie, als immer tiefer die materielle Kultur von der Menschheit erobert wurde. Dazu aber war noch eine andere Einrichtung notwendig.

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Cite: GA 105/1908-08-16/p012 · edition original