Elfter Vortrag

GA 105/1908-08-16/p024 ·1908-08-16 · original (original)
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Wenn wir zurückblicken könnten auf die alten ägyptischen Mysterien, dann würden wir sehen, wie Religion, Wissenschaft und Kunst noch eines sind. Da wird die Weltenevolution in dem Herabsteigen des Gottes in die Materie gezeigt in einem äußeren großen, gewaltigen dramatischen Symbolum. Und wer dies Symbolum genießt, hat Wissenschaft vor sich, denn er erfährt da in einer lebendigen Darstellung, wie sich das abgespielt hat, wie der Mensch sich hineingesenkt hat, wie er allmählich hinabgeflossen ist in die Welt. Aber er hat noch etwas anderes vor sich, er hat auch Kunst vor sich, denn er sieht in dem Bilde ein symbolisches Abbild dessen, was Wissenschaft ist. Aber beides, Wissenschaft und Kunst, stehen nicht nur vor ihm, sie werden für ihn zugleich zur Religion, denn das, was sich ihm bildlich zeigt, erfüllt sich mit religiösem Gefühl. Und dann, später, spaltet sich das, dann gehen Religion, Wissenschaft und Kunst getrennte Wege. Aber die Menschen fühlen schon in unserer Zeit wieder, daß sie wieder zusammenfließen müssen, Was war denn das bedeutungsvolle Streben Richard Wagners anderes als das, was wir als spirituelles Streben hingestellt haben, in einer großen, gewaltigen Ahnung zu einem Kulturimpulse gemacht? Bei den Ägyptern war es im anschaulichen Bilde, weil das äußere Auge es brauchte. In unserer Zeit wiederholt es sich, es soll wieder aus den einzelnen Kulturströmungen ein Ganzes zusammengebaut werden, aber in einem Kunstwerke, dessen Element vorzugsweise das Fließen des Tones ist. Überall können wir den Zusammenhang zwischen Ägyptertum und moderner Zeit finden, überall diese Spiegelung beobachten.

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Cite: GA 105/1908-08-16/p024 · edition original