Elfter Vortrag
Wenn von einigen Seiten behauptet wird — was ja wirklich geschieht —, es wären unter den Theosophen einige, die da sagen: Es gibt eine westliche Einweihung für unsere Kulturstufe, aber das sei ein Spätprodukt, die wahre Initiation könne nur im Osten geholt werden -, so muß geantwortet werden, daß nicht ohne weiteres darüber geurteilt werden darf. Man muß da tiefer in die Dinge eindringen, als man es gewöhnlich tut. Es mag Leute geben, die da sagen, Buddha ist in die höchsten Regionen hinaufgestiegen, und Christus hat gegenüber Buddha nichts Neues gebracht; aber nur in dem, was uns positiv entgegentritt, kann erkannt werden, um was es sich handelt. Fragen wir diejenigen, die auf dem Boden der westlichen Initiation stehen, ob sie irgend etwas negieren, verneinen von der östlichen Einweihung, ob sie über den Buddha anders reden als diejenigen, die im OÖstlichen stehen? Nein, alles das gilt ihnen, sie sagen zu alledem ja. Aber sie verstehen die Fortentwickelung und unterscheiden sich von denen, die zum westlichen Initiationsprinzip nein sagen, dadurch, daß sie es verstehen, zu dem ja zu sagen, was im Orientalismus gegeben wird, außerdem aber die fortgeschrittenen Formen wissen, die notwendig geworden sind im Laufe der Zeiten. Sie sagen ja, und zu nichts auf dem Gebiete der östlichen Initiation sagen sie nein. Nehmen Sie eine Charakteristik des Buddha von dem, der auf dem Standpunkte der westlichen Esoterik steht. Sie wird sich in nichts unterscheiden von dem, was derjenige sagt, der auf dem Boden der östlichen Esoterik steht. Aber er weiß - dieser, der auf dem Standpunkte des Westlichen steht —, er weiß zu zeigen, wie in dem Christus noch etwas anderes liegt, was darüber hinausgeht. Das tut der, der auf dem östlichen Standpunkte steht, nicht. Nicht dadurch entscheidet sich etwas, daß man behauptet, Buddha sei größer als Christus, sondern auf das, was man Positives sagt, darauf kommt es an. Und da spricht der, der auf dem westlichen Standpunkte steht, über Buddha ganz dasselbe wie der östliche. Nicht nein sagt der westliche zu dem, was der östliche sagt, sondern ja, aber er sagt ja noch zu etwas anderem auch,
Cite:
GA 105/1908-08-16/p026 · edition original