Achter Vortrag
Wir haben nunmehr bedeutungsvolle Entwickelungsvorgänge des menschlichen Organismus kennengelernt. Wir haben diesen Organismus verfolgt von seiner Entstehung an bis zu dem Zeitpunkt, in dem sich der Mond von der Erde entfernt hat. Wenn man «Zeitpunkt» sagt, so ist das natürlich in ungenauem Sinne gesprochen, denn diese Vorgänge nehmen recht lange Zeiträume in Anspruch. Von dem ersten Moment, wo der Mond anfing Miene zu machen, herauszugehen, bis zum letzten, wo er sich vollständig herausgelöst hatte, verflossen lange Zeiträume, und mancherlei ging in der Entwickelung währenddem noch vor sich. Ungefähr aber haben wir den Menschen bis zum Herausgehen des Mondes betrachtet. Diese Gestalt des Menschen haben wir verstanden, die Gestalt, die nach unten hin, ungefähr von der Mitte des menschlichen Leibes ab, von der Hüfthöhe etwa, schon eine Gestaltung zeigte, die der heutigen nicht ganz unähnlich ist. Man würde mit heutigen Augen immerhin schon, wenn auch als weiche Teile, diesen Leib haben sehen können, während die oberen Teile nur für ein hellseherisches Bewußtsein zu schauen gewesen wären. Wir haben schon darauf hingewiesen, wie Sage, Religion und Kunst in dem Kentaur etwas von der damaligen Menschennatur erhalten haben. Und in den einzelnen Teilen des Leibes haben wir Glieder des Menschen kennengelernt, welche sich allmählich entwickelt haben zu den Füßen, Unterschenkeln, Knien, Oberschenkeln, die uns damals repräsentieren die Tierformen unserer Erde, solche Tierformen, die aber auf einer bestimmten Entwickelungsstufe stehengeblieben sind, über welche der Mensch aber hinausgeschritten ist. Nun wollen wir uns darüber einmal ganz genau verständigen.
Cite:
GA 106/1908-09-10/p003 · edition original