Achter Vortrag
Nun wollen wir in der Menschheitsentwickelung weitergehen. Die verschiedensten Formen hat der Mensch angenommen, und als er bis zur Hüfthöhe sich entwickelt hatte, da war er am häßlichsten in seiner physischen Form. Diese Form, die der Mensch damals hatte, ist dekadent erhalten in der Schlange. Die Zeit, in welcher der Mensch es bis zur Amphibiumform gebracht hatte, als der Mond noch in der Erde war, das ist die Zeit der Schande, des Verderbens in der Entwickelung der Menschheit. Wäre der Mond damals nicht hinausgegangen aus der Erde, dann wäre das Menschengeschlecht einem grauenhaften Schicksale verfallen, dann wäre es immer mehr in die Form des Greulichen, Bösen gefallen. Daher ist die Seelenempfindung, die das naive, unverdorbene Gemüt hat gegenüber der Schlange, die jene Gestalt festhält, wo der Mensch am tiefsten stand, diese Empfindung der Antipathie etwas, was seine volle Berechtigung hat. Gerade das unverdorbene Gemüt, das nicht sagt, es sei in dem Natürlichen nichts Häßliches, das empfindet Abscheu vor der Schlange deshalb, weil sie das Dokument der Menschenschande ist. Das ist nicht im moralischen Sinne gemeint, sondern deutet hin auf den tiefsten Punkt der Entwickelung der Menschheit.
Cite:
GA 106/1908-09-10/p008 · edition original