Achter Vortrag
Erst als die Waage überschritten war, bildeten sich allmählich in den oberen Gliedern des Menschen die Differenzierungen heraus, die wir mit männlich und weiblich bezeichnen. Der Mensch ist viel länger eingeschlechtlich geblieben als die Tiere. Was bei den übrigen Tieren schon längst geschehen war, das trat hier beim Menschen jetzt erst ein. Es gab eine Zeit, in der sozusagen eine einheitliche Menschengestalt da war, in der nichts da war von jener Fortpflanzungsart, wie sie sich später ausbildete, in der die Natur des Menschen noch beide Geschlechter in einer Wesenheit darstellte. «Und Gott schuf den Menschen männlich-weiblich» steht in der Bibel, nicht «ein Männlein und ein Fräulein». Er schuf beide in einem. Die denkbar schlechteste Übersetzung ist es, wenn gesagt wird: er schuf «ein Männlein und ein Fräulein». Denn das ist ohne Sinn den wirklichen Tatsachen gegenüber.
Cite:
GA 106/1908-09-10/p021 · edition original