Achter Vortrag
Die Erinnerung an dieses Ereignis der Urzeit wurde im Ritus bewahrt in zahlreichen Gegenden Europas. Man vollzog zu gewissen Zeiten bei Erinnerungsfesten eine Zeremonie. Das war der Wagen des Nerthus-Bildes, das untertauchte in das Meer der Leidenschaft. Und man hatte sogar den grausamen Gebrauch: diejenigen, die dienen durften, die ziehen mußten, die da sehen konnten, die mußten Sklaven sein und wurden bei dem Ritus getötet, zum Zeichen, daß das die sterbliche Menschheit war, die diesen Akt sah. Nur die Priester, die eingeweiht waren, durften der Zeremonie unbeschadet beiwohnen. So sehen wir an diesem Beispiel, daß in jener Zeit, als man das, was hier erzählt wurde, in gewissen Gegenden kannte, in diesen Gegenden der Nerthus-Kult war. In diesen Gegenden war ein Bewußtsein vorhanden, das diese Sage und den Ritus gestaltete. So entwickelte sich die Menschheit durch die mannigfaltigsten Formen hindurch, und so wird in den Bildern dargestellt dasjenige, was reale Tatsachen sind. Es ist schon gesagt worden, daß solche Bilder nicht Allegorien sein sollen, sondern daß sie inhaltlich in einem Verhältnis stehen zu den realen Tatsachen. Solche Bilder erschienen wie Traumbilder. So wurde auch die Osirissage zuerst geträumt, bevor der Schüler die Tatsache der Menschheitsevolution wahrhaft schaute. Und nur dasjenige, was vorbereitet auf reales Schauen, das istim okkulten Sinne ein Symbolum. Ein Symbolum ist ein Schildern realer Vorgänge in Bildern. Und welches die Wirkung dieser Schilderungen war, davon im nächsten Vortrage.
Cite:
GA 106/1908-09-10/p028 · edition original