Zehnter Vortrag
Und er kam! Aber er kam wiederum, indem er sich fügte den historischen Notwendigkeiten, welche der Evolution zugrundeliegen. In einem physischen Leibe hätte er sich ohne weiteres nicht verkörpern können. Es war noch möglich, daß er sich wie in einer Art Unterbewußtsein verkörpern konnte in dem Buddha. Aber wandelnd auf der Erde konnte er sich nur verkörpern, wenn ein physischer Leib und ein Ätherleib und ein Astralleib besonders zubereitet waren. Der Christus hatte die größte Kraft der Wirkung, aber verkörpern konnte er sich nur, wenn ein physischer Leib, Ätherleib und Astralleib durch eine andere Wesenheit vollständig geläutert und gereinigt worden waren. Und so konnte die Verkörperung des Christus nur so geschehen, daß eine Wesenheit auftrat, die sich so hoch entwickelt hatte. Das war Jesus von Nazareth. Er war so hoch gekommen in seiner Entwickelung, daß er in der Lage war, während seines Lebens seinen physischen Leib, Ätherleib und Astralleib so zu läutern, daß es ihm möglich war, im dreißigsten Jahre seines Lebens diese Leiber zu verlassen, aber so, daß sie noch lebensfähig, noch brauchbar waren für eine höhere Wesenheit. Oft, wenn ich dies ausgesprochen habe, daß eine hohe Stufe der Entwickelung notwendig war, damit Jesus seine Leiber opfern konnte, machten die Menschen einen sehr merkwürdigen Einwand: Aber das sei doch gar kein Opfer, was könne man sich Schöneres denken? Man könne doch nicht von einem großen Opfer sprechen, wenn es sich darum handelte, einer so hohen Wesenheit seine Leiber zu überlassen. — Ja, schön ist es auch, und es wäre das Opfer nicht groß, wenn man es so abstrahierte. Aber man möchte antworten: Man mache es einmal so; das Opfer wolle wohl jeder bringen, aber man wolle es einmal probieren. — Es ist nötig, ungeheure Kräfte zu haben, um seine Leiber so zu läutern, daß man sie lebensfähig verlassen kann. Um diese Kräfte zu erlangen, dazu sind die Opfer notwendig. Jesus von Nazareth mußte schon eine außerordentlich hohe Individualität sein, damit er das konnte. Das Johannes-Evangelium deutet an, wann Jesus seinen physischen Leib, Ätherleib und Astralleib verließ und einging in die geistige Welt und das Christus-Wesen hineinfuhr in die dreifache Leiblichkeit. Das geschah bei der Taufe des Jesus im Jordan. Da geschah etwas sehr Bedeutungsvolles in der Leiblichkeit des Jesus von Nazareth. Wiederum muß das, was ich jetzt sage, ein Greuel sein für ein materialistisches Gemüt. Es ging etwas Besonderes vor, selbst in dem physischen Leibe des Jesus von Nazareth. Wenn wir das verstehen wollen, was da vorging in dem Moment der Taufe, als der Christus in den Jesus hineinfuhr, da müssen wir uns eines einmal vor die Seele führen, was recht sonderbar erscheinen wird, aber doch wahr ist.
Cite:
GA 106/1908-09-12/p022 · edition original