{"corpus":"steiner","locus":"GA 106/1908-09-13/p008","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Der Einweihungsvorgang läßt sich kurz charakterisieren, und zwar bezieht sich das auf jede, auf die vor- und nachchristliche Einweihung, nur der Schluß ist ein veränderter. Die Einweihung ist nichts anderes, als daß der Mensch die Fähigkeit gewinnt, in seinen höheren Leibern Schauorgane zu entwickeln. Der Mensch sieht heute in der Nacht Finsternis, es ist dunkel um ihn. Das kommt daher, daß der Mensch in seinem Astralleibe keine Wahrnehmungsorgane hat. Es müssen, ebenso wie die Augen und Ohren als physische Wahrnehmungsorgane sich gebildet haben, aus den höheren Wesensgliedern übersinnliche Organe entwickelt und ihnen eingegliedert werden. Das geschieht dadurch, daß dem Schüler gewisse Übungen der Meditation und Konzentration gegeben werden. Diese Übungen macht der Mensch durch, nachdem er zunächst einen Überblick gewonnen hat über dasjenige, was von Eingeweihten als Kunde gegeben werden kann von den geistigen Welten. Das ist immer geschehen, daß die Schüler dasjenige lernen mußten, was wir heute elementare Geisteswissenschaft nennen. Man sah viel strenger darauf, daß in einer regelmäßigen Stufenleiter die Schüler die Wahrheiten kennenlernen konnten. Wenn eine genügende theoretische Vorbereitung vorhanden war, und die Schüler reif dazu waren, wurden ihnen die Übungen gegeben. Diese Übungen haben einen ganz bestimmten Zweck. Wenn der Mensch im Tagesleben die Eindrücke der Sinne auf sich wirken läßt, so sind diese Eindrücke allerdings so, daß sie Früchte bringen für das gewöhnliche Leben auf dem physischen Plan. Diese Eindrücke setzen sich fort in den Astralleib des Menschen, und dieser überträgt sie erst auf das Ich. Aber diese Eindrücke sind nicht solche, daß der Mensch imstande ist, sie festzuhalten, wenn er in der Nacht mit seinem Astralleibe und Ich aus seinem physischen und ätherischen Leibe schlüpft. Was der Mensch so vom physischen Plane bekommt, dringt nicht so stark in ihn ein, daß er es als bleibenden Eindruck behalten kann. Dann aber, wenn der Mensch die Übungen der Meditation und Konzentration macht, dann sind diese so eingerichtet nach jahrtausendealter Erfahrung, daß der Astralleib sie nicht verliert, sondern behält, wenn er nachts aus dem physischen Leibe schlüpft. Dann bekommt der Astralleib dadurch plastische Eindrücke, die ihn gliedern und formen, so wie die physischen Organe gegliedert worden sind. So wird durch gewisse Zeiten hindurch durch diese Übungen an dem Astralleibe gearbeitet. Dadurch prägen sich die übersinnlichen Schauorgane dem Astralleibe ein. Es würde nun der Mensch doch noch lange nicht seine Schauorgane gebrauchen können, wenn sie sich nur dem Astralleibe einprägen würden. Es muß mehr geschehen, damit der Astralleib, wenn er in den Ätherleib zurückkehrt, dasjenige, was in ihm sich gebildet hat, eindrückt dem Ätherleibe wie Siegelabdrücke. Erst in dem Augenblick, wo in dem Ätherleibe sich abdrückt, was in dem Astralleibe sich gebildet hat, erst dann tritt auf die Erleuchtung, die erst möglich macht, daß der Mensch die geistige Welt sieht, wie er heute die physische Welt sieht.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Elfter Vortrag","site_heading":null,"date":"1908-09-13","location":null,"word_count":459,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/106/1908-09-13/p008","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/106/1908-09-13/p008"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/106/1908-09-13/p008","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}