Elfter Vortrag
Dem Ödipus ist die wahre Sphinx entgegengetreten, aber gestorben ist sie auch heute nicht. Bis heute ist sie noch nicht gestorben, nur tritt sie in anderer, besonderer Gestalt dem Menschen entgegen. Wenn Menschen in der Landbevölkerung, die auf einer gewissen Stufe in der Entwickelung zurückgeblieben sind, im Sommer in der heißen Glut der Sonne mittags auf dem Felde ruhen und einschlafen, und etwas bei ihnen eintritt, was man nennen könnte einen latenten Sonnenstich, und wenn durch diese Einwirkung auf den physischen Leib sich der Astralleib und der Ätherleib aus einem Teil des physischen Leibes loslösen, dann sind solche Menschen auf den Astralplan versetzt, und sie sehen diesen dekadenten letzten Nachkommen der Sphinx. Man benennt diese Erscheinung mit verschiedenen Namen. In einigen Gegenden nennt man sie die Mittagsfrau. Mancher auf dem Lande erzählt, daß ihm die Mittagsfrau begegnet sei. Sie ist überall vorhanden in den verschiedensten Gegenden, unter den verschiedensten Namen. Sie ist ein Nachkomme der alten Sphinx. Und wie die alte Sphinx den Menschen, die sie erlebten, Fragen stellte, so stellt auch die Mittagsfrau Fragen. Man kann erzählen hören, wie die Mittagsfrau an Menschen herangetreten ist und nicht enden wollende Fragen gestellt hat. Diese Fragepein ist selbst ein dekadenter Nachkomme der alten Sphinx. Die Mittagsfrau ist aus der alten Sphinx geworden. Das alles weist darauf hin, wie die Evolution vor sich geht, auch hinter der physischen Welt, wie da ganze Stämme geistiger Wesenheiten herabkommen und zuletzt nur der Schatten sind von dem, was sie ursprünglich waren. Da sehen wir wiederum einen Zug von der Art der Zusammenhänge in der Evolution. Dies ist aus dem Grunde gesagt worden, damit man sieht, wie mannigfaltig die Evolution überhaupt ist.
Cite:
GA 106/1908-09-13/p017 · edition original