Vierter Vortrag

GA 107/1908-10-26/p005 ·1908-10-26 · original (original)
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Vor allem handelt es sich um eine Läuterung, Reinigung des Denkens. Das ist nötig, damit das Denken nicht mehr abhängig ist von der äußeren Sinnesbeobachtung, die auf dem physischen Plan gewonnen werden kann. Doch nicht nur das Denken, sondern auch das Fühlen und Wollen können Erkenntniskräfte werden. Sie gehen im gewöhnlichen Leben persönliche Wege. Sympathie und Antipathie gehen auf die einzelne Persönlichkeit hin zugeschnittene Wege. Sie können aber zu objektiven Erkenntniskräften werden. Es mag dieses unglaublich klingen für die heutige Wissenschaft. Vom Denken, besonders von dem auf die sinnliche Beobachtung gerichteten vorstellungsmäßigen Denken, glaubt man das leicht, aber wie sollten Menschen zugeben können, daß das Gefühl eine Erkenntnisquelle werden könne, wenn sie sehen, wie gegenüber demselben Dinge der eine so, der andere so fühlt? Wie könnte man annehmen, daß etwas so Schwankendes, was so von der Persönlichkeit abhängt wie Sympathie und Antipathie, maßgebend werden könne für eine Erkenntnis und daß sie so weit diszipliniert werden können, daß sie das innerste Wesen eines Dinges erfassen könnten. Daß der Gedanke es tut, dies kann man leicht begreifen; daß aber auch dann, wenn wir einem Dinge gegenüberstehen und dieses Ding in uns ein Gefühl erweckt, dieses Fühlen so in uns vorhanden sein kann, daß nicht die Sympathie oder Antipathie des einzelnen spricht, sondern es selbst zum Ausdrucksmittel werden kann für das, was im Innersten des Dinges vorhanden ist, das scheint schwer glaublich. Daß ferner auch die Kraft des Willens und Begehrens Ausdrucksmittel werden kann für das Innere, das scheint zunächst geradezu frivol.

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Cite: GA 107/1908-10-26/p005 · edition original