Vierter Vortrag
Ebenso aber, wie das Denken gereinigt und dadurch objektiv werden kann, so daß es zum Ausdrucksmittel der Tatsachen sowohl in der sinnlichen als auch in den höhern Welten wird, so kann auch das Fühlen und das Wollen objektiv werden. Doch diese Sache darf nicht mißverstanden werden. So wie das Gefühl im heutigen Menschen im gewöhnlichen Leben ist, in seinem unmittelbaren Gefühlsinhalte, so wird es nicht zum Ausdrucksmittel einer höheren Welt. Dies Gefühl ist etwas Persönliches; die okkulten Übungen, die der Schüler erhält, gehen darauf aus, dies Gefühl zu kultivieren, das heißt zu verändern, zu verwandeln. Dadurch wird das Gefühl allerdings etwas anderes, als es war, da es noch persönlich war. Nun darf man aber nicht glauben, wenn man auf dem okkulten Pfade durch die Ausbildung des Gefühls eine gewisse Stufe erlangt hat, daß man dann etwa vom Gesichtspunkte des erkennenden Menschen aus sagen könne: Ich habe eine Wesenheit vor mir und ich fühle etwas von dieser Wesenheit -, und daß dasjenige, was man da im Gefühl hat, eine Wahrheit, eine Erkenntnis sei. Der Vorgang ist ein viel intimerer, innerlicherer, der an der Hand der okkulten Übungen das Gefühl umwandelt. Das drückt sich darin aus, daß derjenige, der durch die Übungen sein Gefühl verwandelt hat, zu der imaginativen Erkenntnis kommt, so daß sich ihm ein geistiger Inhalt in Symbolen offenbart, die Ausdruck sind dessen, was in der astralischen Welt an Tatsachen und Wesenheiten vorhanden ist. Das Gefühl wird anders, es wird Imagination, so daß im Menschen die astralen Bilder auftauchen, die ihm die Geschehnisse des Astralraumes ausdrücken. Der Mensch sieht nicht so, wie in der physischen Welt, zum Beispiel eine Rose mit Farben überzogen, sondern in symbolischen Bildern, und zwar alles, was uns in der okkulten Wissenschaft vorgeführt wird, in Bildern. So das schwarze Kreuz, das mit Rosen geziert ist. Alle solche Symbole sollen eine bestimmte Tatsache zum Ausdruck bringen und entsprechen ebenso astralen Tatsachen wie das, was wir in der äußeren physischen Welt schen, physischen Tatsachen entspricht. Man bildet also das Gefühl aus, erkennt aber in der Imagination.
Cite:
GA 107/1908-10-26/p006 · edition original