Vierter Vortrag
Ein Glied in der astralischen Welt ist diejenige Zeit, die der Mensch unmittelbar nach dem Tode zu durchleben hat und die in der geisteswissenschaftlichen Literatur die Kamaloka-Zeit genannt wird. Was heißt im Kamaloka sein? Wir haben öfters versucht, durch Umschreibungen zu geben, was es heißt, im Kamaloka zu sein. Ich habe oft das charakteristische Beispiel herangezogen von dem Feinschmecker, der da lechzt nach dem Genuß, den ihm nur der Geschmackssinn verschaffen kann. Der physische Leib ist abgestreift und zurückgelassen beim Tode, der Ätherleib zum großen Teil auch, aber der astralische Leib ist noch vorhanden, und der Mensch ist im Besitz seiner Eigenschaften und Kräfte, die er im Leben innerhalb des physischen Leibes gehabt hat. Diese ändern sich nicht sofort nach dem Tode, sondern erst nach und nach. Wenn der Mensch Sehnsucht gehabt hat nach leckeren Speisen, so bleibt ihm diese Sehnsucht, dieses Lechzen nach dem Genuß, aber es fehlt ihm nach dem Tode das Instrument, dieselbe zu befriedigen, denn der physische Leib mit seinen Organen ist nicht mehr da. Er muß den Genuß entbehren, und er lechzt nach etwas, was er entbehren muß. Das gilt für alle eigentlichen Kamaloka-Erlebnisse, und diese bestehen eigentlich in nichts anderem als in dem Leben, in dem Zustande innerhalb des astralischen Leibes, wo der Mensch noch Sehnsucht hat nach Befriedigungen, die nur durch den physischen Leib erfüllt werden können. Und weil er diesen nicht mehr hat, ist er genötigt, das Streben und Lechzen nach den Genüssen sich zu untersagen: Das ist die Zeit des Abgewöhnens. Erst dann ist er davon befreit, wenn er diese Sehnsucht aus dem Astralleib herausgerissen hat.
Cite:
GA 107/1908-10-26/p012 · edition original