Fünfter Vortrag

GA 107/1908-10-27/p002 ·1908-10-27 · original (original)
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Es soll heute ausgegangen werden von einfachen Formen des Schmerzes, von den Elementargestalten desselben. Wenn man sich in den Finger schneidet und Schmerz empfindet oder die Hand gequetscht wird oder wenn die Hand abgehauen wird und man Schmerz empfindet, ist es eine einfachste, primitivste Art des Schmerzes; damit soll diese Betrachtung beginnen. Wenn wir seelenkundige Gelehrte, Psychologen fragen, was sie zur Erklärung des einfachsten Schmerzes herbeitragen können, so sind gerade in der Gegenwart diese Psychologen etwas drollig geworden. Sie haben eine merkwürdige Entdeckung gemacht: Denn sie haben gefunden, daß der Schmerz nicht anders erklärt werden kann, als wenn man noch zu den verschiedenen Sinnen, dem Geruchs-, Gesichts- und Gehörsinn, auch einen Schmerzessinn dazunimmt, so daß der Mensch mit diesem Sinne den Schmerz wahrnimmt, geradeso wie er mit den Augen das Licht und mit dem Ohr die Töne wahrnimmt. Sie sagen: Der Mensch empfinde Schmerz, weil er einen Schmerzessinn habe. Die äußere Erfahrung gibt uns zwar keinen Anhaltspunkt, der dafür sprechen würde, einen Schmerzessinn anzunehmen, aber trotzdem fühlt sich die auf die reine Beobachtung sich stützende Wissenschaft durchaus nicht abgehalten, ihn anzunehmen, Sie erfindet eben den Schmerzessinn. Aber wir wollen davon keine weitere Notiz nehmen, sondern uns fragen: Wie kommt ein solcher einfacher, primitiver Schmerz zustande, wie wird er empfunden, wenn man sich in den Finger schneidet?

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Cite: GA 107/1908-10-27/p002 · edition original