Fünfter Vortrag
Und jetzt können wir das auf die geistigen Welten übertragen. Ebenso wie gehemmte Tätigkeit im Kamaloka Entbehrung ist - und im Kamaloka ist immer Entbehrung -, fällt nun, wenn der Mensch in das Devachan kommt, alle gehemmte Tätigkeit hinweg, weil dort nichts mehr da ist, was irgendwie mit dem Physischen zusammenhängt und mit Gier sich zurücksehnt in das Physische. Da ist dem Menschen die geistige Substantialität überliefert, welche nach und nach aufbaut die Gestalt seiner künftigen Inkarnation. Da ist reinste, ungehemmteste Tätigkeit, und die empfindet der Mensch als reinste Seligkeit. Der Mensch lernt fortwährend in seinem Leben durch alles, was um ihn herum ist. Seine Leiber aber, die er jetzt hat, die hat er aufgebaut nach den Kräften seiner früheren Inkarnationen, die hat er sich durch diese Kräfte aufgebaut. Was er jetzt in seinem Leben kennenlernt, das ist noch nicht in seinem Leibe. Der Mensch ändert sich innerhalb seines Lebens, seine Gefühle und Empfindungen ändern sich, seine Ideale wachsen, eine große Summe gehemmten Tätigkeitsdranges steckt im Menschen - seinen Leib aber kann er nicht umgestalten, er muß den Körper so lassen, wie er nach den Erfahrungen der früheren Inkarnationen aufgebaut ist. Von diesen Hemmungen ist er im Devachan befreit, und die Folge davon ist, daß sich sein ungehemmter Tätigkeitsdrang in Seligkeit auslebt. Er schafft sich seinen Astralleib, seinen ätherischen und seinen physischen Leib dort für das neue Leben. Was hier unverbraucht bleibt, das wird in Anwendung gebracht im Devachan. Er nimmt hinauf ins Devachan nicht nur sein jetziges, gegenwärtiges Bewußtsein, sondern auch dasjenige, was über seine Persönlichkeit hinausgeht. Das gibt ihm im Devachan ein erhöhtes Dasein, so daß er also zu dem, was hier seine Individualität ist, noch das im Devachan erlebt, was er zur Individualität hinzuerobert hat und was er während seines Lebens noch nicht hat zum Ausdruck bringen können. So begreifen wir Schmerz und Entbehrung von der untersten Stufe bis hinauf zur Seligkeit. In einer Welt können wir immer die Spuren dessen verfolgen, was durch alle Welten hindurchgeht.
Cite:
GA 107/1908-10-27/p010 · edition original