Fünfter Vortrag
Wenn wir das vergleichen mit dem, was gestern gesagt worden ist, so wird es erklärlich, daß das Ertragen von körperlichen Schmerzen eine Art Schulung, eine Art Erkenntnisweg sein kann. Denken wir uns einen Menschen, der noch nie Kopfschmerzen gehabt hat. Er kann sagen: Ich weiß nichts davon, daß ich ein Gehirn habe, denn ich habe es noch nie gefühlt. Denken wir uns, daß nicht durch äußere Einflüsse solcher Kopfschmerz zustande kommt, sondern durch eine gewisse Stufe der christlichen Einweihung, die man «die Dornenkrönung» nennt. Da hat der Mensch das Gefühl zu erleben: Was auch für Leiden und Schmerzen und Hemmungen an mich herantreten, die mir dasjenige, was mir das Wichtigste ist, meine Mission, untergraben wollen - ich will aufrecht stehen, wenn ich auch allein stehe! - Wenn jemand monate-, ja jahrelang sich in diesen Gefühlen üben würde, würde er zuletzt zu einem solchen Gefühl von Kopfschmerz kommen, wie wenn Stacheln sich in seinen Kopf hineinbohrten. Das ist ein Übergang zum Erkennen derjenigen okkulten Kräfte, die das Gehirn gebildet haben. Wenn die Ätherkräfte des Gehirns genau tun, was sie tun müssen, dann finden sie nichts, was dem Menschen diese Kräfte zum Bewußtsein bringen könnte. In dem Augenblick aber, wo das physische Gehirn in einer gewissen Weise verwundet ist unter dem Einfluß dieser Gefühle, muß der Ätherleib sich loslösen, er muß sich zurückziehen aus dem Gehirn, er wird hinausgetrieben aus dem Gehirn, und die Folge dieser Selbständigkeit des Ätherkopfes ist die Erkenntnis. Dieser vorübergehende Schmerz ist nur der Übergang zur Erreichung der Erkenntniskräfte, und das ist nichts anderes als die Objektivierung dessen, was der Mensch vorher nicht wußte. Früher wußte er nicht, daß er ein Gehirn habe, jetzt lernt er erkennen die Ätherkräfte und ihre Wirksamkeit, die sein Gehirn aufgebaut haben und die es erhalten.
Cite:
GA 107/1908-10-27/p012 · edition original