Elfter Vortrag
Heute soll uns etwas beschäftigen, was wieder scheinbar weit absteht von den letzten Vorträgen, was sich aber doch in unseren diesjährigen Gedankengang einfügen wird. Anknüpfen wollen wir an eine Bemerkung in einem der letzten öffentlichen Vorträge, in dem Vortrage über den «Aberglauben vom geisteswissenschaftlichen Standpunkte». Es wurde dort eine Bemerkung gemacht, die in einem öffentlichen Vortrag nicht weiter ausgeführt werden kann, weil man für ein tieferes Eingehen Vorkenntnisse voraussetzen muß, die sich weniger auf den Verstand, auf intellektuelles Erkenntnisvermögen beziehen als auf ein Erkenntnisvermögen, das in unserer ganzen Seelenkonstitution liegt und das wir nur durch jahrelanges Mitarbeiten mit dem Zweigleben erwerben können. Nur durch eine solche geduldige Arbeit können wir dahin gelangen, daß uns manches, was wir früher für absurd gehalten hätten, möglich und wahrscheinlich vorkommt, so daß wir es mit ins Leben nehmen und sehen, wie weit es sich bewahrheitet. Die Bemerkung, von der wir ausgehen wollen, war, daß es eine gewöhnliche Tatsache und nicht Aberglaube ist, wenn bei gewissen Krankheiten, wie die Lungenentzündung zum Beispiel eine ist, der siebente Tag eine Krisis darstellt, daß da bei dieser Krisis, die unweigerlich am siebenten Tag eintritt, wo der Kranke leicht sterben kann, der Arzt darauf bedacht sein muß, den Kranken darüber hinwegzubringen. Das ist heute von jedem vernünftigen Arzt anerkannt, aber nach den Ursachen können die Ärzte nicht forschen, weil sie keine Ahnung haben von den im Geistigen zu findenden Urgründen der Dinge. Zuerst wollen wir einmal die Tatsache hinstellen, daß sich hier etwas ganz Merkwürdiges, mit der geheimnisvollen Sieben-Zahl Zusammenhängendes in der Lungenentzündung zeigt.
Cite:
GA 107/1908-12-21/p004 · edition original