Elfter Vortrag
Wenn der Mensch schlafend vor uns liegt, so haben wir im Bette liegen den physischen Leib und den Ätherleib, und in gewisser Beziehung außerhalb dieser beiden sind der astralische Leib und das Ich. Das ist aber nur ungenau gesagt. Das Ungenauere genügt ja allerdings für viele Dinge, aber heute wollen wir etwas genauer diese Verhältnisse kennenlernen. Der astralische Leib und das Ich also sind zunächst nicht im physischen Leib tätig. Der physische Leib mit seinem Nerven- und Blutsystem und der Ätherleib sind aber gar nicht möglich, ohne daß sie durchzogen sind von einem astralischen Leib und einem irgendwie gestalteten Ich. Auch der Ätherleib könnte nicht bestehen, ohne daß er durchzogen wäre von höheren Wesenheiten. In dem Augenblicke, wo der Mensch mit seinem eigenen astralischen Leibe und Ich hinausrückt, müssen die Tätigkeiten dieser beiden Glieder der Menschennatur ersetzt werden. Es kann der Menschenleib nicht liegen bleiben, ohne daß ein Ich und ein astralischer Leib in ihm tätig sind, so daß wir also auch im schlafenden Menschen ein Ich und einen astralischen Leib tätig haben müssen. Genau gesprochen, müßten wir aber sagen: Das Ich und der astralische Leib, die da im schlafenden physischen Leib des Menschen tätig sind, sind auch während des Tages im Menschen, nur ist ihre Tätigkeit durchaus untergraben durch des Menschen astralischen Leib und Ich, die durch ihre Tätigkeit die der anderen höheren Wesenheiten zunichte machen. Wenn wir das Ich, wie es heute im Menschen ist, uns vorstellen wollen beim wachenden Menschen, so müssen wir uns sagen: Dieses menschliche Ich ist beim wachenden Menschen innerhalb des menschlichen Leibes, und es entzieht während dieser Zeit durch seine Tätigkeit einem umfassenden Ich seine Wirkungssphäre. Was tut denn dieses unser eingeschränktes Ich eigentlich im Schlafe? In Wahrheit können wir, ziemlich genau gesprochen, sagen: Dieses Ich, das sich während des Tages befreit hat von dem großen Welten-Ich und das auf eigene Faust lebt im menschlichen Leibe, das taucht unter während der Nacht in das Welten-Ich, begibt sich seiner eigenen Tätigkeit. Und gerade durch dieses Eintauchen, dieses Untergehen des Tages-Ichs in das Welten-Ich kann das Welten-Ich ungehindert wirken und kann alles fortschaffen, was das Tages-Ich an Ermüdungsstoffen aufgehäuft hat. Dadurch, daß das Tages-Ich versinkt, untertaucht ins Welten-Ich, ist in umfassender Weise das Nacht-Ich möglich. Wenn Sie es sich bildlich vorstellen wollen, können Sie sich dieses Verhältnis des Tages-Ichs zum Nacht-Ich so vorstellen, daß das Tages-Ich gleichsam einen Kreis beschreibt und daß es den größten Teil dieses Kreises außerhalb des großen Ichs zubringt, während es nachts ins große Ich untertaucht. Sechzehn Stunden zum Beispiel ist es außerhalb und acht Stunden taucht es unter ins Nacht-Ich.
Cite:
GA 107/1908-12-21/p006 · edition original