Elfter Vortrag

GA 107/1908-12-21/p018 ·1908-12-21 · original (original)
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Für das Ich ist der Rhythmus am spätesten entstanden, aber auch da schieben sich die Dinge schon durcheinander. Der Mensch kann ja auch bei Tage schlafen und in der Nacht wachen. Aber früher stimmte dieser Rhythmus immer mit dem äußeren überein. In der Atlantis hätte sich etwas sehr Schlimmes ergeben, wenn der Mensch hätte tagsüber schlafen und nachts wachen wollen. Da hätte er sein ganzes Leben in Unordnung gebracht. Der Rhythmus ist heute in gewisser Weise geblieben, nur ist er unabhängig von dem Äußeren geworden. Es ist das gerade so, wie wenn Sie eine richtiggehende Uhr genau nach der Stunde der Sonne, nach der Sonnenzeit richten. Sie können dann ganz genau die Stunden der Sonne ablesen. Jetzt könnten Sie aber einmal die Uhr um sieben Uhr nachmittags auf zwölf stellen. Dann wird der Rhythmus der Uhr noch richtig beibehalten, er ist nur verschoben gegen denjenigen der Sonne. So es auch beim Menschen. Der alte Rhythmus, in dem der Mensch früher mit dem ganzen Kosmos gestanden, ist beibehalten geblieben. Er hat sich nur verschoben. Wenn die Uhr ein lebendes Wesen wäre, so hätte sie recht, ihren Rhythmus herauszuschieben aus den umgebenden Rhythmen. Der Mensch soll in einer urfernen Zukunft dazu kommen, aus seiner inneren Entwicklung heraus seinen Rhythmus wieder in die Welt hinauslaufen zu lassen. Wie es einst Wesen gegeben hat, die aus ihren Rhythmen heraus Sonne, Mond und Erde sich haben bewegen lassen, so wird auch der Mensch einmal seinen Rhythmus in die Welt hinausversetzen, wenn er die göttliche Stufe erreicht hat. Das ist der Sinn des Unabhängigwerdens im Rhythmus. Hieraus können wir die tieferen Grundlagen der Astrologie ahnen. Aber das soll uns heute nicht beschäftigen. Wir wollten heute nur zeigen, wie die Geisteswissenschaft nicht eine Summe von abstrakten Ideen ist für den egoistischen Menschen, der sich dafür interessiert, sondern daß sie bis in die alleralltäglichsten Verhältnisse des Lebens hineinleuchten wird. Aber dann muß man den Willen haben, von den äußeren Erscheinungen zu den Urgründen zu gehen, die dahinter stehen. Der Rhythmus ist der Materie eingepflanzt durch den Geist; der Mensch trägt heute den Rhythmus als Erbschaft seiner geistigen Abstammung in sich. Allerdings kann man diesen Rhythmus für das Menschenwesen und auch für die anderen Naturwesen nur einsehen, wenn man auf die ursprünglichen Verhältnisse zurückgeht. Schon bei den Tieren stehen die einzelnen Leiber - physischer Leib, Ätherleib, Astralleib und Gruppen-Ich - in ganz anderen Verhältnissen zueinander. Für jede Tierart gibt es einen anderen Rhythmus. Für den physischen Leib ist es einigermaßen derselbe, aber ganz andere Rhythmen laufen ab für Äther- und Astralleib der verschiedenen Tiere. Man kann die Tierwelt einteilen, wie man sie heute äußerlich nach den äußeren Gestalten einteilt, in Gattungen nach den Rhythmen, je nachdem der Rhythmus der Astralleiber zu dem der Ätherleiber abläuft.

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Cite: GA 107/1908-12-21/p018 · edition original