{"corpus":"steiner","locus":"GA 107/1908-12-21/p019","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Glauben Sie nicht, daß diese Rhythmen nie klar erkannt worden sind. Wir werden noch zeigen können, daß es gar nicht so lange her ist, daß man wenigstens ein dunkles Bewußtsein von diesen Rhythmen hatte. Wer mit einem entsprechenden Bewußtsein durch die Welt geht, kann finden, daß in manchen Kalendern, die auf dem Lande gebraucht werden, in bezug auf bestimmte Verhältnisse zwischen Tier und Land gewisse Regeln angegeben werden. Durch die Beobachtung dieser Regeln in solchen Bauernkalendern ordnete früher der Landmann seine ganze Landwirtschaft. In das bäuerliche Wissen war das Bewußtsein solcher Rhythmen hineingeheimnißt. Das sind Dinge, die uns zeigen können, daß seit dem 15., 16. Jahrhundert ein Zeitalter der Abstraktion, der äußeren Wissenschaft eingetreten ist, einer Wissenschaft, die gar nicht mehr imstande ist, auf die Gründe einzugehen. Das ist besonders in der Medizin der Fall. Hier haben wir heute nur noch ein Tasten, und der solide Grundstock der Pathologie und Therapie geht auf uralte Zeiten zurück. Ich habe das Martyrium des Intellektes und der Empfindungen durchgemacht, als das Phenazetin ausprobiert wurde. Diese Art des Ausprobierens, ohne auch nur einen Leitfaden zu haben, zeigt, daß der Wissenschaft mit dem Geist auch der Ernst verlorengegangen ist. Dieser Ernst wird wieder erworben werden durch geistige Erkenntnis. Man muß durchaus unterscheiden, wo die Zerrbilder einer Wissenschaft liegen und wo wirklich auf den Geist gegründete Erkenntnis ist. Wenn man sich das in die Seele schreibt, wird man sehen, wie notwendig geisteswissenschaftliche Erkenntnis ist, wie sie eindringen muß in alle Gebiete des Wissens und des Lebens.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Elfter Vortrag","site_heading":null,"date":"1908-12-21","location":null,"word_count":250,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/107/1908-12-21/p019","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/107/1908-12-21/p019"}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}