Das Bilden von Begriffen und die Kategorienlehre Hegels
Sie haben, gewissermaßen als Vorbereitung zu den heutigen Ausführungen, die Vorträge über elementare Logik hören können, die von mir während der Generalversammlungszeit gehalten worden sind, und viele von Ihnen haben ja eine gute Vorbereitung durch den Kurs, den unser lieber Herr Walther über Erkenntnistheorie und philosophisches Denken abgehalten hat. Das Denken haben wir da erkannt als das Vermögen, mit einer Begriffstechnik sich der Welt gegenüberzustellen, wir haben es in gewisser Beziehung da charakterisiert, wo wir versuchten, eine Idee zu bekommen von der rein formalen Logik. Wir haben da gesehen, wie wir erst dann vom wirklichen Denken sprechen, wenn dieses in Begriffen abläuft, und wir haben damals streng unterschieden zwischen der Wahrnehmung, der Vorstellung und dem Begriff. Wenn solche Unterscheidung denen, die sonst sehr gern und mit Hingebung an anthroposophischen Auseinandersetzungen teilnehmen, schwierig vorkommen sollte, so soll doch zunächst bedacht werden, daß auf dem Boden der Anthroposophie das erwachsen muß, was wir als Verpflichtung zu einem strengen seelischen Arbeiten erkennen müssen, das sich nicht mit zufällig aufgelesenen Begriffen zufriedenstellt, sondern aufsteigen will zu scharfen und energischen Begriffskonturen.
Cite:
GA 108/1908-11-13/p004 · edition original