Das Bilden von Begriffen und die Kategorienlehre Hegels

GA 108/1908-11-13/p007 ·1908-11-13 · original (original)
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Wenn der Mensch als sinnlicher Beobachter der Dinge sein Auge oder seine anderen Wahrnehmungsorgane bloß richten würde auf die äußere Umwelt, so würde er bloß Vorstellungen erleben. Es war das gezeigt worden an dem Beispiel: Wenn ein Mensch so weit hinausfahren würde auf ein Meer, daß er um sich nichts anderes sieht als die Meeresoberfläche und eine scheinbare Himmelshalbkugel, gestützt auf diese Meeresoberfläche, dann würde er den Kreis, den er als Horizontlinie um sich hat, durch äußere Wahrnehmung gewonnen haben; er würde die Vorstellung des Kreises sich durch äußere Wahrnehmung gebildet haben. Wenn er dagegen keine solche äußere Wahrnehmung hat, sich bloß im Geiste jenes Bild konstruiert, das entsteht, wenn alle Punkte einer Linie, von einem festen Punkte, dem Mittelpunkte, gleich weit entfernt sind, dann hat er - im Gegensatz zur Vorstellung - den Begriff des Kreises. So könnten wir auch andere mathematische Begriffe, zum Beispiel den Begriff des Quadrats, des Dreiecks, des Vierkants, der Ellipse, der Hyperbel und so weiter innerlich konstruieren. Wir könnten noch weiter gehen, und wir könnten uns endlich erheben zu einer wirklichen Erkenntnis der Goetheschen Morphologie, zu den Begriffen der Organik, zum Urtier, zur Urpflanze, deren Begriffe ebenso entstanden sind wie der Begriff des Kreises, und die - wie Goethe sagt ebenso angewendet werden können, wie die mathematischen Formeln.

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