{"corpus":"steiner","locus":"GA 108/1908-11-13/p008","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Wenn der Mensch so an die sinnliche Wirklichkeit herantritt, wird er finden, daß diese sinnliche Wirklichkeit übereinstimmt mit dem, was er sich als Begriff konstruiert hat. Er kann zum Beispiel finden, daß sein innerlich konstruierter Begriff des Kreises zusammenfällt mit dem Kreis, der sich der sinnlichen Beobachtung ergibt durch das Hinausfahren aufs Meer. Er fängt dann an zu verstehen, was sich ihm in der Wahrnehmung darbietet im Vergleich zu dem, was er sich selbst als Begriff gebildet hat. Begriffe werden also nicht durch Wahrnehmung gewonnen. Das ist ein Vorurteil, das heute sehr verbreitet ist. Begriffe werden gewonnen durch innerliche Konstruktion. Der Begriff ist sozusagen dasjenige, wozu der Mensch kommt, gerade wenn er absieht von aller äußeren, sinnlichen Wirklichkeit. Und nun kann er zusammenwirken lassen, was er innerlich konstruiert hat, mit dem, was sich ihm äußerlich als sinnliche Wirklichkeit darstellt. Damit hätten wir fixiert die Stellung des Begriffsnetzes zu der äuReren, sinnlichen Wirklichkeit. Jetzt aber müssen wir uns auch fragen: Wie ist die Stellung unseres Begriffsnetzes zu der übersinnlichen Wirklichkeit? - Zunächst ist es nicht anders als bei der sinnlichen Wirklichkeit. Wenn jemand - durch die öfters hier besprochenen Methoden des Hellsehens - sich die übersinnliche Wirklichkeit eröffnet und nun mit seinen Begriffen an diese Wirklichkeit herantritt, so wird er ebenso dieses Begriffsnetz zusammenfallend finden mit der übersinnlichen Wirklichkeit. Genau ebenso werden die übersinnlichen Tatsachen und Wesen, nur von der anderen Seite her, auf sein Begriffsnetz wirken, und er wird es damit zusammenfallend finden. So daß wir sagen können: Es werfen gewissermaßen die übersinnlichen Wirklichkeiten ihre Strahlen auf das Begriffsnetz, wie auf der anderen Seite die sinnliche Wirklichkeit dies tut. Am Begriffsnetz treffen sich sinnliche und übersinnliche Wirklichkeit.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Das Bilden von Begriffen und die Kategorienlehre Hegels","site_heading":null,"date":"1908-11-13","location":null,"word_count":277,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/108/1908-11-13/p008","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/108/1908-11-13/p008"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/108/1908-11-13/p008","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}