{"corpus":"steiner","locus":"GA 108/1908-11-13/p010","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Nun müssen wir uns fragen: Wie kann der Mensch denn eigentlich zu wirklichen Begriffen kommen, auch wenn er keine Anschauung hat von der übersinnlichen Wirklichkeit? Wenn er bloß die äußere sinnliche Wirklichkeit hätte und sie anschauen würde, würde er bloß zu Vorstellungen kommen, niemals zu Begriffen. Begriffe müssen in der Seele konstruiert werden und hinzukommen zu den Vorstellungen, die die äußere, sinnliche Wirklichkeit gibt. Man kann durchaus in Begriffen leben und doch nicht in die übersinnliche Wirklichkeit hinaufsteigen. Der Seher, der in die übersinnliche Wirklichkeit hinaufsteigen kann, kann aber in der Tat leichter zu einer vollständigen Begriffswelt kommen, weil er die Kräfte kennenlernt, die hereinströmen und die Begriffe hervorrufen. Den geisteswissenschaftlichen Anhaltspunkt zu dem, was ich jetzt einmal philosophisch sage, haben Sie in meinem Buche «Theosophie», wo von dem Devachan gesprochen wird, wo über das devachanische Leben der Schattenbilder genau abgehandelt wird. Der Mensch kommt zu dem Begriffsnetz dadurch, daß er die Begriffe förmlich auf sich herunterströmen läßt. Für den Seher ist es so, daß er zu den Urbildern hinaufschauen kann, da wo die Realität ist. Wie ist es nun für den Menschen möglich, sich ein Begriffsnetz zu schaffen, der [nicht selbst zu der übersinnlichen Wirklichkeit aufschauen kann]? Der größte Teil der Menschen ist ja nur in der Mathematik zu reinen Begriffen gekommen. Die meisten Menschen meinen, daß man nur zu Begriffen kommen könne, wenn man Wahrnehmungen hat, aus diesen Vorstellungsbilder [gewinnt], von der Vorstellung die Wahrnehmung abzieht und dann das Allgemeine, den Begriff, findet, also durch Abstraktion. Das ist natürlich nicht die Entstehung des Begriffs. Selbst denkende Leute sind sich über dieses Bilden des Begriffes im Unklaren.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Das Bilden von Begriffen und die Kategorienlehre Hegels","site_heading":null,"date":"1908-11-13","location":null,"word_count":268,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/108/1908-11-13/p010","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/108/1908-11-13/p010"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/108/1908-11-13/p010","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}