{"corpus":"steiner","locus":"GA 108/1908-11-13/p023","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Alle solche Begriffe, die durch Sich-selbst-Bewegen, durch Selbsthervorgehen eines Begriffes aus einem anderen gebildet werden und uns darstellen dabei, was sowohl der sinnlichen Welt angepaßt ist wie auch der übersinnlichen Welt, alle solche Begriffe nennt man im weitesten Umfange des Wortes «Kategorien». Kategorien sind also diejenigen Begriffe, welche durch die dialektische Methode, also durch Hervorwachsen eines Begriffes aus dem anderen, gewonnen werden. So ist also im Grunde genommen das ganze Begriffsnetz zusammmengesetzt aus Kategorien. Man könnte ebensogut sagen, alle Begriffe sind Kategorien, wie man sagen könnte, alle Kategorien sind Begriffe. Man ist freilich gewöhnt worden, den Begriff «Kategorien» für die Hauptbegriffe anzuwenden, für die Knotenpunkte, für die wichtigsten, die Stammbegriffe, namentlich weil die formale Logik immer angeknüpft hat an Aristoteles, der [als erster von Kategorien gesprochen und zehn solcher «Knotenpunkte» angegeben hat]. Im strengen Sinne kann man aber die Worte «Begriff» und «Kategorie» wechselweise gebrauchen, so daß wir die Summe aller unserer Begriffe - wenn wir richtige Begriffskonstruktionen vor uns haben, das heißt, wenn die Begriffe innerlich konstruiert und fortgebildet sind durch Selbstbewegung, wenn die Begriffe aus sich selbst herausgewachsen sind - die «Kategorienlehre» nennen können. Und das, was Hegel im ersten Teil seiner Philosophie die «Wissenschaft der Logik» nennt - Logik, von Logos herkommend, was ja auch Begriff heißt -, ist eigentlich eine Kategorienlehre. Wenn wir nur einzelne Begriffe bilden, so haben wir nicht alle Kategorien, wenn wir aber innerlich das Begriffsnetz spinnen, jeden Begriff an die richtige Stelle setzen im Gesamtorganismus der Begriffe, dann haben wir alle Kategorien. Nun hat ja Hegel selber schon gesagt: Wenn man so den ganzen Umfang des Begriffsnetzes feststelle, so habe man darin den Inhalt der Welt, wie er im Gedanken der göttlichen Wesenheit vor der Erschaffung der Welt ist. - Da wir die Begriffe in der Welt darinnen finden, müssen sie ursprünglich hineingelegt worden sein. Wenn wir den Begriffen nachgehen, so finden wir darin die Gedanken der Gottheit. Wenn wir richtig denken in innerlichem [Konstruieren] nach dialektischer Methode, so finden wir im Begriffsinhalt, im Kategorien-Inhalt die Welt.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Das Bilden von Begriffen und die Kategorienlehre Hegels","site_heading":null,"date":"1908-11-13","location":null,"word_count":335,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/108/1908-11-13/p023","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/108/1908-11-13/p023"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/108/1908-11-13/p023"}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}