Das Bilden von Begriffen und die Kategorienlehre Hegels

GA 108/1908-11-13/p024 ·1908-11-13 · original (original)
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Ich kann heute nicht auf die geschichtliche Entwickelung der Kategorienlehre eingehen, wie Aristoteles sie ausgebildet hat und wie Kant sie weiter ausgebildet hat, ich will aber zu dem, wie der große Meister der Kategorienlehre, Hegel, die Begriffslehre ausgebildet hat, etwas sagen. Hegel ist heute vielleicht der am wenigsten verstandene Philosoph. Man erkennt das in der akademischen Literatur; was da über Hegel geschrieben wird, ist geradezu furchtbar. So sagt man heute immer noch, was man schon zu seinen Lebzeiten gesagt hat: er wolle aus den Begriffen heraus die ganze Welt entwickeln. Ein besonders gescheiter Herr war der Leipziger Philosoph Wilhelm Traugott Krug, der eine ganze Bibliothek von philosophischen Schriften geschrieben hat. Er verstand Hegel so, als ob er die Welt aus den Begriffen herausspinnen wolle, zum Beispiel aus dem Begriff die Rose deduzieren, ableiten wolle, aus einer Idee. Da sagte Krug einmal spitz gegen Hegel, er möge doch einmal aus dem Begriff seine Schreibfeder deduzieren. Hegel antwortete: «Herr Krug hat in diesem und zugleich nach anderer Seite hin ganz naiven Sinne einst die Naturphilosophie aufgefordert, das Kunststück zu machen, nur seine Schreibfeder zu deducieren. Man hätte ihm etwa zu dieser Leistung und respectiven Verherrlichung seiner Schreibfeder Hoffnung machen können, wenn dereinst die Wissenschaft so weit vorgeschritten und mit allem Wichtigern im Himmel und auf Erden in der Gegenwart und Vergangenheit im Reinen sey, daß es nichts Wichtigeres mehr zu begreifen gebe.»

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