Das Bilden von Begriffen und die Kategorienlehre Hegels
Wir haben hier schon vier aufeinanderfolgende Kategorien ausgebildet, die Kategorien «Sein», «Nichts», «Werden» und «Dasein». Nun könnten wir weitergehen und könnten aus dem Begriff «Dasein» alle möglichen Begriffe heraussprießen lassen, und wir würden ein reichgegliedertes Begriffssystem aus dem Begriff «Dasein» nach der einen Linie erhalten. Wir können aber auch in anderer Weise vorgehen. Das «Sein» läßt Begriffe nach zwei Seiten aus sich herauswachsen. Es ist etwas sehr Fruchtbares. Es ist etwas da, was vor dem Hineinschießen des Seins in die Realität schon da ist. Es ist der reine Gedanke des Seins schon gegeben, bevor das Sein aus dem Gedanken hinausgeschossen ist in die Realität. In dem Augenblick, wo das Sein in sich selbst wird, in sich selbst Inhalt wird, in dem Augenblick müssen wir das, was wir dann erfassen, als das «Wesen» bezeichnen, so daß wir auf diese Weise aus dem Begriff «Sein» den Begriff «Wesen» gebildet haben. Wir haben also auf der einen Seite aus dem Begriff «Sein» die Begriffe «Nichts», «Werden», «Dasein» gebildet, und auf der anderen Seite aus dem Begriff «Sein» den Begriff «Wesen».
Cite:
GA 108/1908-11-13/p030 · edition original