{"corpus":"steiner","locus":"GA 108/1908-12-14/p013","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Nun kommen wir zu der dritten Kulturstufe, die uns hauptsächlich im Ägyptertum entgegentritt. Da stand, wie wir wissen, gewissermaßen im Mittelpunkt alles religiösen Denkens und Fühlens die Gestalt des Osiris. Sie werden leicht verstehen, was jetzt gesagt werden muß. Was für ein Wesen ist Osiris, hauptsächlich in seiner göttlichen Gestalt? Bedenken Sie, daß die ägyptischen Kulturführer dem Menschen sagten: Wenn du deine Aufgabe hier in der physischen Welt richtig vollziehst, wenn du alles tust, was dich in bezug auf deine Seele zu einem würdigen Menschen macht, dann wirst du nach dem Tode mit Osiris vereinigt sein. - Auf der anderen Seite wurde ihm gesagt: Der Osiris hat nur ein kurzes Leben hier auf Erden gehabt, denn er wurde von seinem Bruder Typhon - Seth - überwunden und lebt seit jener Zeit in den Welten, die die überirdischen sind. Sein unterstes Gebiet ist nicht mehr der physische, sondern der Astralplan, weiter steigt er nicht herab. Es ist nicht mehr möglich, daß Osiris den physischen Plan betritt. Daher kann der Mensch im Leben nicht dem Osiris begegnen. Nach dem Tode aber, wenn er sich dessen würdig gemacht hat, dann wird er mit Osiris vereint sein, weil dann der Mensch die Welt, in der Osiris weilt, betritt. Der Mensch muß also dem Osiris entgegenkommen, entweder wenn er gestorben ist, oder wenn er als Eingeweihter den astralen Plan betritt. Daher wurde dem Bekenner der Osiris-Religion klargemacht: Das Übersinnliche, mit dem du selbst noch in einer Verbindung stehst, sollst du dir nicht anders als unter dem Bilde deiner eigenen Seele vorstellen, einer Seele, wie wir sie uns vorstellen unter dem Begriff des Astralleibes. Es wurde der Osiris als eine ideale Menschengestalt hingestellt, die alle möglichen Tugenden hat, und da Triebe sowohl als auch Tugenden im Astralleibe sind, so wurde sozusagen eine astralische Menschenwesenheit als die Wesenheit des Osiris hingestellt.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"4. Die Zehn Gebote","site_heading":null,"date":"1908-12-14","location":null,"word_count":304,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/108/1908-12-14/p013","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/108/1908-12-14/p013"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/108/1908-12-14/p013","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}