4. Die Zehn Gebote

GA 108/1908-12-14/p016 ·1908-12-14 · original (original)
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Stellen wir uns noch einmal hinein in die ägyptische Kultur. Da war viel Wirkung, aber sie ging nicht von Ich zu Ich, sondern von Astralleib zu Astralleib. Was heißt das? Denken Sie sich, wie eine solche gigantische Pyramide gebaut worden ist. Ein großes Heer von Menschen war nötig, um solch eine Pyramide zustandezubringen. Die Arbeiter an dem Bau einer solchen Pyramide folgten den Aufträgen derjenigen, die die Baumeister waren, und das waren die Tempelpriester, die geistigen Führer der Kultur. Glauben Sie nicht, daß diese Aufträge so gegeben wurden, wie man heute Aufträge gibt, von Ich zu Ich. Das war nicht der Fall. Sie werden am leichtesten verstehen, was damals vorging, wenn wir das Wort «Suggestion» gebrauchen. Kräfte psychischer Natur wurden angewendet, um die Massen zu leiten. Die ägyptischen Priester beherrschten solche Kräfte in hohem Maße. Sie wirkten nicht auf das Ich, indem sie sagten: Tue dies oder jenes -, sondern sie beherrschten die Menge, wie es derjenige tut, der psychische Kräfte handhaben kann, so daß die Menschen willenlos folgten diesen Priestern, mit Übergehen des Ich. Die Priester standen als Eingeweihte in hohem Dienste. Ihnen war nicht zuzutrauen, daß sie diese Kräfte mißbrauchten; sie stellten sie in den Dienst des Guten. So waren es also Eingebungen, psychische Eingebungen, durch die sie wirkten, und von einer Freiheit des Ich gegenüber dem Tempelpriester war nicht die Rede. Wenn Sie das verstehen, so begreifen Sie auch, daß im alten Indien die heiligen Rishis in noch höherem Maße spirituelle Kräfte anwendeten. Bei ihnen war es so: Wenn sie erschienen und bedeutsame Kundgebungen aus den geistigen Welten gaben, dann war es selbstverständlich, daß das ganze Volk ihnen willenlos folgte. Genauso wie bei uns die Hand dem Kopfe folgt, so folgten die großen Menschenmassen ihren Führern, den Eingeweihten. Das wurde immer weniger, je weiter der Mensch hinunterstieg auf den physischen Plan, aber im alten Ägyptertum war noch viel Wirksamkeit dieser psychischen Kräfte. Die Menschen aus dieser Art der Wirksamkeit herauszureißen und die Vorherverkündigung des Dem-Ich-Gegenüberstehens, das war die Sendung des Moses. In jedem Menschen den göttlichen Urquell zu suchen, das große Welten-Ich, das den Raum durchwellende und durchwehende Ich als Urbild anzusehen des eigenen Ich, das war der große Ruf, der mit der Sendung des Moses verknüpft war.

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Cite: GA 108/1908-12-14/p016 · edition original